Prof. Dr. David Ray Griffin: Der absurde Standpunkt der Huffington Post zu "Verschwörungstheorien"

Mittwoch, 10 März, 2010

Mark,

im Grunde genommen ist es gut, dass die Haltung der Huffington Post zum Thema "Verschwörungstheorien" nun Schwarz auf Weiß vorliegt.

Nun muss nur noch jemand die Redakteure der Zeitung darauf aufmerksam machen, dass sie infolge ihrer eigenen Stellungnahme nun auch keine Beiträge mehr akzeptieren dürfen, die implizit oder direkt behaupten, dass al-Qaida für die Anschläge des 11. September verantwortlich ist. Denn bei dieser Behauptung handelt es sich gleichfalls um eine Verschwörungstheorie.

Dies wurde schließlich von Cass Sunstein zugegeben, dem Chicago- und späteren Harvard-Professor für Rechtswissenschaft, der von Präsident Obama ernannt worden ist, um das OIRA (Office of Information and Regulatory Affairs – Das Büro für Information und Regulierungsangelegenheiten) zu leiten, (das wiederum der Behörde für Finanzaufsicht untersteht).

In einem Artikel mit dem Titel "Verschwörungstheorien" schrieben er und sein Harvard-Co-Autor 2009:

"Die Theorie, dass al-Qaida für den 11. September verantwortlich ist, ist […] eine […] Verschwörungstheorie."

(Das vollständige Zitat lautet: "Die Theorie, dass al-Qaida für den 11. September verantwortlich ist, ist somit eine gerechtfertigte und wahre Verschwörungstheorie.") Siehe Cass R. Sunstein und Adrian Vermeule, "Conspiracy Theories: Causes and Cures", Journal of Political Philosophy, 17/2 (Juni 2009), 202-227, auf Seite 208.

Mit dem Hinweis, dass es wahre wie auch falsche Verschwörungstheorien gibt, verweist Sunstein die Leser auf den Philosophen Charles Pigden, der folgende Definition gegeben hat: "[Eine] Verschwörungstheorie ist schlicht und einfach eine Theorie, die eine Verschwörung postuliert. Dabei handelt es sich in der Regel um einen geheimen Plan einer Gruppe, die das Ziel verfolgt, Ereignisse zu beeinflussen und sich dabei zum Teil auf geheime Methoden stützt." (Charles Pigden", Conspiracy Theories and the Conventional Wisdom" (“Verschwörungstheorien und Alltagsweisheit”) Episteme, 4 (2007), 219-232, Teil 2)

Indem Bush und Cheney erklärt haben, dass die Anschläge des 11. September das Ergebnis einer Verschwörung zwischen Osama bin Laden und 19 Mitgliedern seiner Organisation, nämlich al-Qaida, gewesen sind, haben sie eindeutig eine Verschwörungstheorie vertreten. Sie und Sunstein nennen es selbstverständlich eine wahre Theorie; aber letztlich behaupten alle Verschwörungstheoretiker, dass ihre Theorien wahr sind.

Nun vertritt die Huffington Post allerdings nicht die Position, dass sie nur wahre Verschwörungstheorien akzeptiert und falsche dagegen ablehnt (denn um dieses zu tun, müssten sie einen enormen Forschungsaufwand betreiben). Sie sagen stattdessen, dass sie es vermeiden, "Verschwörungstheorie jeglicher Art Glaubwürdigkeit zu verleihen."

Das bedeutet zum Beispiel, dass die Zeitung Präsident Obama im Grunde genommen nicht erlauben kann, zu behaupten, dass wir in Afghanistan sind, "um die Menschen gefangen zu nehmen, die uns am 11. September angegriffen haben", weil sie nämlich damit die Verschwörungstheorie zum 11. September bestätigt, auf die sich Bush und Cheney berufen haben.

Worauf die Politik der Huffington Post letztlich hinausläuft, ist, dass sie alle Anschuldigungen ausschließt, die beinhalten, dass unsere eigene Regierung in der Vergangenheit überhaupt an irgendeiner Verschwörung beteiligt gewesen ist. Folgerichtig müssten die Redakteure auch alle Behauptungen ausschließen, dass der Golf-Tonkin-Vorfall eine Täuschung gewesen ist; ebenso der Watergate-Einbruch; ebenso die Massenvernichtungswaffen im Irak (man muss sich nur die "Geheimdienstinformationen und Fakten vergegenwärtigen, die zur Stützung dieser Politik erfunden worden sind“?); ebenso die Behauptung, dass Saddam al-Qaida bei den Anschlägen des 11. September geholfen hat; und so weiter und so fort.

Es bleibt zu hoffen, dass die Journalisten der Huffington Post, die ja durchaus vernünftige Menschen sind, schließlich erkennen werden, dass sie ihre Politik überdenken müssen. Die Lektüre von Charles Pigdens Essay zum Thema Verschwörungstheorien wäre eine ausgezeichnete Möglichkeit, um damit zu beginnen.

David Ray Griffin
Santa Barbara, CA

© Peace Press, 2010 (deutsche Übersetzung)
Übersetzung: Oliver Bommer, Peace Press

© Copyright by Mark Crispin Miller's blog, 10. März 2010 (englischsprachige Originalfassung)