Prof. Dr. David Ray Griffin: Eine nationale Schande: Eine Überprüfung des 9/11-Kommissionsberichtes

Sonntag, 10 Oktober, 2004

Viele Leute haben gesagt, dass sich dieser Bericht „wie ein Roman“ liest. Er ist in der Tat erstaunlich gut, wenn er anhand von Kriterien beurteilt wird, wie sie beispielsweise bei belletristischen Werken Anwendung finden. Aber die 9/11-Kommission hätte sich ernsthaft der Frage widmen sollen, wer für die Anschläge des 11. September verantwortlich ist. Stattdessen wird einfach die offizielle Verschwörungstheorie vorausgesetzt, nach der die Attentate ausschließlich von al-Qaida geplant und ausgeführt wurden. Sämtliche Beweise für die alternative Verschwörungstheorie, dass die Anschläge nur aufgrund der Komplizenschaft von US-Regierungsmitgliedern gelingen konnten, wurden von der Kommission vollständig ignoriert.

Für ein Buch, welches die meisten Beweise der Alternativtheorie zusammenfasst (The New Pearl Harbor: Disturbing Questions about the Bush Administration and 9/11, deutscher Titel: Das neue Pearl Harbor: unbequeme Fragen zur Bush-Administration und zum 11. September), habe ich den „9/11-Kommissionsbericht“ gelesen, um zu sehen, wie darin diese Beweise erörtert wurden. Ich musste feststellen, dass der größte Teil davon einfach weggelassen und der Rest verfälscht wurde.

Beispielsweise wiederholt der Bericht lediglich die offizielle Version der 19 arabischen Entführer, ohne zu erwähnen, dass mindestens sechs der genannten Männer seinerzeit am Leben waren. Von Waleed al-Shehri wird sogar behauptet, er hätte eine Flugbegleiterin des Fluges AA11 erstochen, bevor er den Nordturm traf, dabei hatte er nach dem 11. September die US-Botschaft in Marokko aufgesucht (Seite 5). Die schlampige Nachforschung beweist, dass es sich nicht um einen Ausreißer handelt.

Die Frage, warum Kampfflugzeuge nicht in der Lage waren, eines der Flugzeuge abzufangen, beantwortet der Bericht mit einer radikal-revisionistischen Darstellung des 11. September. Im Widerspruch zum vom NORAD am 18. September 2001 berichteten Ablauf der Ereignisse wird behauptet, die FAA hätte die Flüge 175, 77 und 93 bis zum Absturz bzw. Einschlag nicht dem Militär gemeldet, dabei erklärt der Bericht nicht, warum NORAD vorher eine andere Erklärung abgegeben hatte. Auch die Anfangszeiten sämtlicher am 11. September stattgefundenen relevanten Telefonkonferenzen wurden verschoben, um die Behauptung zu untermauern, dass das Militär gar nicht rechtzeitig von der FAA über die Entführungen hatte unterrichtet werden können. Mit der Aussage, der Abschussbefehl wäre erst nach dem Absturz von Flug 93 erteilt worden, weicht der Bericht um 45 Minuten von allen vorher gemachten Zeugenaussagen ab – auch von der von Verkehrsminister Norman Mineta vor der Kommission abgegebenen Zeugenaussage, zu welchem Zeitpunkt Vizepräsident Cheney zum Presidential Emergency Operations Center hinunter ging.

Was das World Trade Center betrifft, so erwähnt der Bericht mit keiner Silbe, dass niemals zuvor in der Geschichte ein Stahlskelett-Hochhaus durch Feuer zum Einsturz gebracht werden konnte. Die Begründung, warum die Zwillingstürme so leicht einstürzen konnten, besteht darin, dass die Kerne der Gebäude aus jeweils „einem hohen Stahlschacht“ bestanden (Seite 541, Anm. 1), in Wirklichkeit aber bestand jeder Kern aus 47 massiven Stahlsäulen. Der Bericht erwähnt zwar, dass der Südturm in rund zehn Sekunden kollabierte (Seite 305), unterschlägt dabei aber die Tatsache, dass der Einsturz zehn Standardmerkmale einer kontrollierten Sprengung aufwies. Der Zusammenbruch von Gebäude 7, den auch die FEMA, wie sie zugeben musste, nicht erklären konnte, wird in dem Bericht nicht erwähnt.

Auch im Hinblick auf das Pentagon wird unterschlagen, dass der Westflügel des Gebäudes für die Terroristen das unwahrscheinlichste Ziel gewesen wäre, dass die Fassade erst 30 Minuten nach dem Einschlag einstürzte sowie weitere Tatsachen, die der Version, Flug 77 hätte das Pentagon getroffen, widersprechen. Weiterhin sagt der Bericht aus, al-Qaida hätte aufgrund der Befürchtung, abgeschossen zu werden, kein Kernkraftwerk angegriffen, vergisst aber dabei, dass das Pentagon über einen erheblich besseren Schutz verfügt – jedes Flugzeug ohne militärischen Transponder würde sofort abgeschossen werden.

Weiterhin unterschlägt der Bericht die zahlreichen Informationen des FBI, welche für die offizielle Darstellung des 11. September nicht förderlich sein dürften. Dazu zählen unter anderem die Stellungnahme von David Schippers, einem Rechtsanwalt, der berichtete, dass ihm mehrere FBI-Agenten von ihrem Vorwissen über die geplanten Angriffe auf New York erzählten, und die Beschwerde von Coleen Rowley (Time Magazine-Person des Jahres 2002) über die Sabotage ihrer Untersuchung des Moussaoui-Falles durch das FBI-Hauptquartier sowie die vernichtenden Vorwürfe von Sibel Edmonds, Übersetzerin beim FBI, während ihrer dreieinhalbstündigen Zeugenaussage vor der Kommission.

Was ist mit Craig Ungers Behauptung (bekannt geworden durch den Film Fahrenheit 9/11 von Michael Moore), das Weiße Haus hätte am 13. September einen Privatflug mit saudischen Passagieren genehmigt, bevor dies anderen privaten Flügen erlaubt war? Der Bericht „widerlegt“ diese Aussage, indem er stattdessen behauptet, dass der US-amerikanische Luftraum an diesem Tag um 11 Uhr wieder freigegeben wurde (Seite 329 und 556 Anm. 25), und somit den entscheidenden Unterschied zwischen Linienflügen, die zu diesem Zeitpunkt wieder zugelassen waren und privaten Flügen, welche nicht gestattet waren, ignoriert.

Außerdem wird in dem Bericht der Hintergrund der Angriffe auf Afghanistan und den Irak extrem verfälscht wiedergegeben. Auch werden sämtliche Beweise ignoriert, dass das Motiv für die Interventionen darin lag, Militärbasen zu errichten und den Zugriff auf das Öl zu kontrollieren (und nicht in dem Wunsch, die Menschenrechte zu schützen und die Demokratie zu fördern). Auf diesem und anderen Wegen unterschlägt der Bericht sämtliche Beweise für die Existenz von Plänen der Bush-Administration in einer Form, die ein Motiv für das Zulassen oder sogar Arrangieren der Attentate des 11. September geboten hätte.

Diese sowie Dutzende weiterer Probleme habe ich in meinem Buch The 9/11 Commission Report: Omissions and Distortions (deutscher Titel: Der Kommissionsbericht zum 11. September: Auslassungen und Falschdarstellungen) dokumentiert. Diese Probleme sind von so großer Tragweite, dass der Bericht, anstatt für den National Book Award nominiert zu werden, als nationale Schande bezeichnet werden sollte.

David Ray Griffin ist Autor von The New Pearl Harbor - Disturbing Questions about the Bush Administration and 9/11 (deutscher Titel: Das neue Pearl Harbor: unbequeme Fragen zur Bush-Regierung und zum 11. September) und The 9/11 Commission Report: Omissions and Distortions – A Critique of the Kean-Zelikow Report (deutscher Titel: Der Kommissionsbericht zum 11. September: Auslassungen und Falschdarstellungen).

© Peace Press, 2010 (deutsche Übersetzung)
Übersetzung: Oliver Bommer, Peace Press
Redaktion: Jürgen Steckel, Peace Press

© GlobalResearch.ca, 24. März 2005 (englischsprachige Originalfassung)