Prof. Dr. David Ray Griffin: Widersprüche des 11. September: Mohamed Attas Mitsubishi und sein Gepäck

Freitag, 9 Mai, 2008

Im Mittelpunkt der offiziellen Geschichte des 11. September steht die Behauptung, dass die vier an diesem Tag abgestürzten Flugzeuge von einem von Mohammed Atta geführten Trupp al-Qaida-Entführer in ihre Gewalt gebracht wurden. Keinerlei Beweise wurden jemals für diese Behauptung vorgelegt. Aber es wurden verschiedene Arten von Indizien gezeigt - die wichtigsten davon stammen angeblich aus Attas Gepäck, welches nach den Anschlägen gefunden wurde. Die Gegenstände in diesem Gepäck sollten den Verdacht bestätigen, Atta und andere Muslime hätten die Flugzeuge entführt. Wie Joel Achenbach in einem Washington Post-Artikel vom 16. September 2001 schrieb:

Atta ... soll American Airlines-Flug 11 geflogen haben, der als erster in das World Trade Center einschlug. Ein von Atta geschriebener, in seinem Gepäck am Boston Logan Airport zurückgelassener Brief behauptet, er hätte geplant, sich selbst zu töten, um als Märtyrer in den Himmel einzugehen. Es enthielt auch einen saudischen Pass, einen internationalen Führerschein, Lehrvideos, um Boeing-Verkehrsflugzeuge zu fliegen, und die Listen der islamischen Gebetszeiten. (“’You Never Imagine’ A Hijacker Next Door.”)

Diese Entdeckung war eindeutig sehr hilfreich bei der Ermittlung gegen Atta und al-Qaida.

Aber wie konnte Attas Gepäck dort entdeckt werden? Achenbach sagte: "Die Beamten glauben, Atta und [Abdul] Alomari hätten einen Mietwagen in Boston gemietet, fuhren nach Portland (Maine) und nahmen dann Montagnacht ein Zimmer im Comfort Inn. ... Sie flogen dann Dienstagmorgen mit einem Kurzstreckenflug von Portland nach Boston, um Flug 11 zu erreichen."

Aber warum schaffte es Attas Gepäck nicht auf Flug 11? Eine Stellungnahme der 9/11-Kommission deutet mit folgenden Worten auf den knappen Anschluss: „Der Umweg über Portland hätte Atta und Omari fast daran gehindert, Flug 11 in Boston zu erreichen. In der Tat schaffte es das in Portland aufgegebene Gepäck nicht in die Flugzeuge.“ (Staff Statement Nr. 16, 16. Juni 2004) Als der 9/11-Kommissionsbericht im folgenden Monat erschien, fehlte jedoch dieser Hinweis. Laut Kommission sind „Atta und Omari um 6.45 Uhr in Boston angekommen“ und ergänzte, dass „American Airlines Flug 11 für 7.45 Uhr geplant war.“ (9/11-Kommissionsbericht [fortan 9/11CR ], 1-2).

Wenn fast eine Stunde zur Verfügung stand, um das Gepäck zu umzuladen, warum blieb es dann hängen? Man mag vielleicht annehmen, das Bodenpersonal war nachlässig. American Airlines berichtete jedoch, "Atta war der einzige Passagier von 81 an Bord von Flug American 11, dessen Gepäck es nicht an Bord schaffte." (Paul Sperry, WorldNetDaily.com, 11. September 2002).

Es gab allerdings noch ein größeres Rätsel: Warum unternahm Atta eine Reise nach Portland und blieb über Nacht, wenn er am 10. September bereits in Boston war und dadurch erst den wichtigen frühmorgendlichen Zubringerflug erforderlich machte? Wenn der Flug um eine Stunde verspätet gewesen wäre, hätten Atta und al-Omari ihren Anschluss verpasst. Dann hätten nur drei Entführer für Flug 11 zur Verfügung gestanden. Atta soll Berichten zufolge außerdem als Pilot für diesen Flug vorgesehen und sogar der Anführer der ganzen Operation gewesen sein, die nach Jahren der Planung hätte abgesagt werden müssen.

Warum er einen so riskanten Trip gemacht haben soll, wurde nie erklärt. Ein Jahr nach den Anschlägen sagte FBI-Direktor Robert Mueller vor der Congressional Joint Inquiry into 9/11 (Gemeinsame Untersuchungskommission der Aktivitäten der Geheimdienste vor und nach den Terroranschlägen am 11. September 2001) als Zeuge aus:

Am Tag vor den Anschlägen holte Mohamed Atta ... Abdul Aziz ab ... und fuhr nach Portland (Maine). Sie checkten im Comfort Inn in South Portland ein. ... Ihre Beweggründe für die Reise sind bis dato noch unklar. ("Erklärung für das Protokoll", Joint Intelligence Committee Inquiry, 26. September 2002)

Zwei Jahre später schrieb die 11. September-Kommission: "Keine physischen, dokumentarischen oder analytischen Beweise lieferten eine überzeugende Erklärung dafür, warum Atta und Omari am Morgen des 10. September von Boston nach Portland (Maine) fuhren, nur um am Morgen des 11. September wieder mit Flug 5930 an den Flughafen Boston-Logan zurückzukehren". (9/11CR, Seite 451 Anmerkung 1)

Wir haben es daher also mit zwei Rätseln zu tun. Warum sollte Atta die Reise nach Portland riskiert haben? Und warum wurde sein Gepäck nicht auf Flug 11 geladen? Mein Buch Widersprüche des 11. September handelt von Widersprüchen, nicht aber von Rätseln. Anhaltspunkte zu diesen Rätseln können jedoch bei der Untersuchung eines vollwertigen Widerspruchs gefunden werden: Die Tatsache, dass die Atta-fährt-nach-Portland-Geschichte Berichten widerspricht, die in den ersten Tagen nach dem 11. September in der Presse erschienen sind.

Die ursprüngliche Geschichte: Boston und die Bukharis

Wie wir gesehen haben fuhr Atta laut der offiziellen Darstellung in einem blauen Nissan Altima nach Portland, flog dann am Morgen des 11. September von Portland zum Flughafen Boston, wo die belastenden Beweismitteln später an diesem Tag in seinem Gepäck gefunden wurden. In den ersten Tagen nach dem 11. September lautete die Geschichte jedoch völlig anders.

Am 12. September unterschied ein CNN-Bericht zwischen Atta und denjenigen Männern, die von Portland nach Boston geflogen:

Quellen bei den Strafverfolgungsbehörden sagen, zwei der mutmaßlichen Entführer ... sind Brüder, die in Vero Beach (Florida) lebten. ... Einer von ihnen ist Adnan Bukhari. Wir haben ein Foto von ihm. ... Ebenso in Vero Beach lebte Bukharis Bruder Amir. ... Quellen bei den Strafverfolgungsbehörden ... teilten CNN mit, dass die Bukhari-Brüder auf einem der beiden Boston-Flüge gewesen sein sollen. ... Auch können wir Ihnen gemäß den Strafverfolgungsbehörden von einem Auto berichten, ein in Portland (Maine) beschlagnahmtes Auto, welches am Bostoner Logan-Airport gemietet und nach Portland (Maine) gefahren wurde. Nun bestätigt die Polizei von Maine, dass zwei der mutmaßlichen Entführer auf einem Flug waren, der vom Flughafen Portland kam. ... Das FBI untersucht auch zwei weitere mutmaßliche Entführer ... Mohammad Atta und Marwan Yusef Alshehhi."

(aus: “America Under Attack: How Could It Happen?” Obwohl die Reporterin Susan Candiotti „Logan Airport“ sagte, musste sich die Information, die sie erhalten hatte auf den Flughafen Portland beziehen, von wo der US Airways-Flug ursprünglich startete und über den sie die Polizei von Maine informiert haben müsste.)

Ein weiterer CNN-Bericht vom selben Tag erklärte, dass belastende Beweismittel in einem Auto am Bostoner Flughafen gefunden wurden. Darin wird zwar über den am Flughafen Portland gefundenen Nissan gesprochen, dieser wird aber nicht mit Atta in Verbindung gebracht:

Strafverfolgungsbeamte bestätigten, dass ein Auto am Bostoner Logan International Airport beschlagnahmt wurde und darin verdächtige Materialien gefunden wurden. Der Boston Herald berichtete von Flughandbüchern in arabischer Sprache. ... Zwischenzeitlich untersucht die Polizei in Portland (Maine) zwei Personen, die mit dem Flugzeug von dieser Stadt aus nach Boston gereist waren. ... Laut Maine-Behörden soll ein Auto - ein gemieteter silberner Nissan Altima mit Massachusetts-Nummernschild - Dienstagabend am Flughafen Portland beschlagnahmt worden sein. (aus dem Bericht: “US Says It Has Identified Hijackers”)

Am nächsten Tag, dem 13. September benannte CNN die Bukharis als Mieter des Nissans und sagte, das in Boston gefundene nun als Mitsubishi identifizierte Auto wurde von Atta gemietet:

Zwei der Männer waren Brüder, ... Adnan Bukhari und Amir Abbas Bukhari. ... Die beiden mieteten ein Auto, einen silber-blauen Nissan Altima, von einer Alamo- Autovermietung am Bostoner Logan Airport und fuhren zu einem Flughafen in Portland (Maine). Von wo sie mit US Airways-Flug 5930 um 6 Uhr am Dienstag zurück nach Boston flogen. ... Eine am Flughafen Logan beschlagnahmte Mitsubishi-Limousine wurde von Mohammed Atta gemietet, hieß es. Das Auto enthielt Beweismittel einschließlich Flug-Handbüchern in arabischer Sprache, die die Strafverfolgungsbehörden "hilfreich" für die Untersuchungen nannten. (“Two Brothers among Hijackers”)

Ein weiterer CNN-Bericht meldete noch am selben Tag, dass die Strafverfolgungsbehörden auf die Bukhari-Brüder aufmerksam wurden, durch Dokumente die mit dem Nissan in Verbindung gebracht werden konnten. (“Hijack Suspect Detained, Cooperating with FBI”)

Es ergibt sich ein Problem

Doch noch am selben Tag (13. September) gab CNN eine Korrektur heraus (“Feds Think They’ve Identified Some Hijackers”) und wies darauf hin, dass keiner der Bukharis am 11. September verstorben ist: Amir war im Jahr zuvor gestorben und Adnan war noch am Leben. CNN entschuldigte sich für die "Fehlinformationen", die auf Informationen aus mehreren Quellen der Strafverfolgungsbehörden basierte."

Allerdings hat diese Entdeckung nicht sofort zu einem kompletten Wechsel der Geschichte geführt. Am nächsten Tag (14. September) sagte CNN zum Beispiel: "Eine Mitsubishi-Limousine, die Atta gemietet hatte, wurde am Flughafen Boston-Logan gefunden. Arabischsprachige Beweismittel wurden im Auto gefunden." (Mike Fish, “Fla. Flight Schools May Have Trained Hijackers”)

Die Aufkommen der endgültigen Geschichte

Am gleichen Tag begann die Geschichte sich jedoch noch drastischer zu ändern. Ein Bericht der Associated Press unter Berufung auf "zwei Verdächtige bei den Terroranschlägen auf das World Trade Center" besagte:

Einer der beiden Verdächtigen, der in Portland an Bord eines Flugs ging, war Mohamed Atta, 33 Jahre alt. ... Der von den Männern benutzte 2001er Nissan Altima kam von der gleichen Bostoner Mietstation wie ein anderes Auto, welches von weiteren Verdächtigen benutzt wurde und belastendes Material enthielt, als es am Bostoner Logan-Airport beschlagnahmt wurde. In Maine angekommen, verbrachten die Verdächtigen die Nacht im Comfort Inn in South Portland, bevor sie am nächsten Morgen in das Flugzeug stiegen. ("Portland Police Eye Local Ties")

Plötzlich war der Nissan Altima von Atta und seinem Begleiter nach Portland gefahren worden, die dann am nächsten Morgen wieder nach Boston zurückflogen. Aber der Übergang zu dem, was die akzeptierte Geschichte werden sollte, war noch nicht abgeschlossen. Die belastenden Materialien waren immer noch in einem am Flughafen Logan zurückgelassenen Mietwagen gefunden worden - obwohl dieses Auto nun angeblich von einem ungenannten "zusätzlichen Verdächtigen" gemietet worden sein soll und nicht von Atta.

Der vollständige Übergang wurde am 16. September gemacht, in dem oben genannten Artikel in der Washington Post von Joel Achenbach, bei dem das belastende Material in Attas Gepäck gefunden worden war.

Das FBI veröffentlichte am Donnerstag [den 4. Oktober] eine detaillierte Chronologie, die zeigt, dass zwei der mutmaßlichen Entführer der Anschläge des 11. September auf das World Trade Center ihre letzten Stunden im Großraum Portland verbrachten. ... Nach dem Einchecken im Motel wurden Atta und Alomari ... zwischen 8.00 Uhr und 9.00 Uhr ... bei Pizza Hut gesehen, um 8.31 Uhr wurden sie von einem KeyBank-Geldautomaten gefilmt und um 8.41 Uhr wurden sie an einem Fast Green-Geldautomaten neben der Pizzeria Uno erneut auf Video aufgezeichnet. ... Um ... 21.22 Uhr wurde Atta im Wal-Mart in Scarborough auf Video ausgenommen. ("The Night Before Terror", Portland Press Herald, 5. Oktober 2001)

Die Rätsel und der Widerspruch

Diese neue Geschichte löste ein Problem, das durch die Entdeckung entstanden war, dass die Bukharis nicht am 11. September gestorben waren - welche erklären sollte, warum ein Mietwagen am Flughafen Portland Behörden auf zwei der Entführer gebracht haben könnte. Diese Lösung schuf jedoch das Rätsel, weshalb Atta diese Reise gemacht hatte plus das Problem der Erklärung, warum das belastende Material, über das ausführlich berichtet worden war, am Logan-Airport gefunden wurde. Letzteres Problem wurde mit der Behauptung gelöst, dass es sich in Attas Gepäck befunden hatte, das es nicht auf Flug 11 schaffte. Aber diese Lösung schuf wiederum das Rätsel, warum Attas Gepäck nicht in den Flug geladen wurde. Das Hauptproblem der neuen Geschichte ist aber einfach die Tatsache, dass eine neue Geschichte aufkam, die radikal dem widerspricht, was die Behörden in den ersten Tagen verlautbart hatten.

Der Kongress und die Presse müssen fragen, warum dieser Widerspruch besteht und warum die 9/11-Kommission ihn ignorierte.

Dieser Aufsatz ist eine gekürzte Fassung des Kapitels 16 des Buches: Widersprüche des 11. September: ein offener Brief an Politiker und Medien (Northampton: Olive Branch, März 2008).

© Peace Press, 2011 (deutsche Übersetzung)
Übersetzung: Oliver Bommer, Peace Press

© Global Research, 9. Mai 2008 (englischsprachige Originalfassung)
www.globalresearch.ca/9-11-contradictions-mohamed-atta-s-mitsubishi-and-...