Tim Russert, Dick Cheney und der 11. September

Dienstag, 17 Juni, 2008

Während wir Tim Russert und seiner Jahre als Moderator von "Meet the Press" gedenken, tun wir gut daran, uns an sein Interview vom 16. September 2001 mit Vizepräsident Dick Cheney in Camp David zu erinnern, das nur fünf Tage nach dem Anschlägen vom 11. September stattfand. 1 Tatsächlich erinnerte uns Cheney selbst in einem Interview mit Matt Lauer von NBC am Morgen, nachdem Russert gestorben war, an das Camp-David-Interview: "Immer, wenn ich an Tim denke, denke ich an "Meet the Press", das ist die Sendung, die mir immer in den Sinn kommt. ... Es war ein bemerkenswerter Moment in der amerikanischen Geschichte." 2

Auf den Kommentar hin, dass er "sich lebhaft das Interview erinnert", fragte Lauer: "Gab es irgendetwas in diesem Interview, das hervorstach?" Cheney antwortete: "Wir gingen in Gedanken zurück und erinnerten uns teilweise an das, was tatsächlich am Morgen des 11. September passierte. Es war ... es war ein bemerkenswerter Moment in meiner Karriere." 3

Das war es in der Tat. In der Erinnerung an seine Schritte an diesem Morgen, widersprach Cheney dem, was zu einem entscheidenden Element der Darstellung wurde, die die 9/11-Kommission zu diesen Schritten herausgab.

Cheney lobte Russerts Zeit bei "Meet the Press": "Er stellte dir harte Fragen, er erinnerte dich an Zitate, die du zuvor bei anderen Situationen oder in früheren Sendungen gemacht hattest, somit kam man mit nichts davon, wenn man Tim gegenüber saß." 4

Angesichts Cheneys Beurteilung seines Interviews mit Russert als "bemerkenswerter Augenblick" sowohl in der amerikanischen Geschichte als auch in Cheneys eigener Karriere, sollten wir auf dieses Interview Russerts Methode anwenden und uns daran erinnern, was Cheney genau sagte und dann mit dem vergleichen, was die 11. September-Kommission über Cheney schrieb.

Das Camp David-Interview

Nach einer Erörterung der amerikanischen Reaktion auf die Anschläge zusammen mit Cheney wandte sich Russert dem 11. September selbst zu und fragte Cheney, wo er war, als er vom ersten Angriff auf das World Trade Center erfahren hatte. Cheney antworte, dass er in seinem Büro im Weißen Haus war und sagte, dass er, nachdem er den zweiten Angriff im Fernsehen gesehen hat, ein Treffen in seinem Büro mit Condoleezza Rice und weiteren Personen einberief und dann Präsident Bush anrief (der sich in Florida befand) und ging mit ihm die öffentliche Ansprache durch, die er später noch halten sollte. (Dieser Anruf muss stattgefunden haben, kurz nachdem Bush das Klassenzimmer verlassen hatte, was Berichten zufolge um etwa 9.12 Uhr war 5, wenn dieser Anruf ihm tatsächlich geholfen haben soll, seine Ansprache an die Nation vorbereiten, die um 9.30 Uhr gehalten wurde. Die New York Times schrieb: "Um 9.12 Uhr wurde [Bush] plötzlich [aus dem Klassenzimmer] geholt, um mit Mr. Cheney und New Yorker Beamten zu sprechen." 6 Cheney sagte daraufhin:

Während ich dort war, verfolgte ich in den nächsten Minuten die Entwicklung im Fernsehen und als wir begannen, uns zu organisieren, um herauszufinden, was zu tun ist, kamen meine Secret Service-Agenten und handelten unter diesen Umständen sofort. Sie sagten nicht "Sir" und fragten höflich. Sie kamen herein und sagten: 'Sir, wir müssen sofort raus,' packten mich und ... 7

Russert fragte: "Wörtlich ... packten Sie und zogen Sie raus?" Cheney antwortete:

Ja. Und, wissen Sie, die Füße berührten den Boden in regelmäßigen Abständen. Denn sie sind größer als ich, nahmen mich und zogen mich sehr schnell den Gang entlang, ein paar Stufen hinab, durch einige Türen und Treppen nach unten in eine unterirdischen Anlage unter dem Weißen Haus, aber in Wirklichkeit ist es ein Korridor, der an beiden Enden geschlossen ist und sie taten dies, weil sie einen Bericht erhalten hatten, dass ein Flugzeug auf das Weiße Haus zusteuerte.

Nachdem er Russerts Annahme bestätigt hatte, dass es sich um Flug 77 handelte, fuhr Cheney fort:

Und als es in die Gefahrenzone kam und es so aussah, als würde es auf das Weiße Haus zusteuern, packten sie mich und brachten mich in den Keller. ... Als ich dann im Schutzraum war, war das erste, was ich tat ... - es gibt dort ein sicheres Telefon. Das erste, was ich tat, war das Telefon abheben und erneut den Präsidenten anrufen, der zu diesem Zeitpunkt immer noch unten in Florida war und forderte ihn eindringlich auf, seine Rückkehr zu verzögern.

Nach der Besprechung dieses Ratschlags in Bezug auf die Notwendigkeit einer sicherzustellenden "Handlungsfähigkeit der Präsidentschaft" setzte Cheney die Erzählung über seine eigenen Schritte an diesem Tag fort:

Nachdem ich diesen Zwischen-Schutzraum verlassen hatte und mit dem Präsidenten gesprochen hatte und ihn aufgefordert hatte, vor Ort zu bleiben, ging ich in das sogenannte PEOC (8), das Presidential Emergency Operations Center (das Notfall-Operationszentrum des Präsidenten) und dort waren Norm Mineta ... Condi Rice und einige meiner wichtigsten Mitarbeiter. Wir hatten Zugang zur gesicherten Kommunikation mit der Air Force One und zum Verteidigungsminister drüben im Pentagon. Wir hatten auch eine gesicherte Videokonferenz mit dem Weißen Haus, der CIA, dem Außen-, Justiz- und Verteidigungsministerium.

Nachdem er noch weitere Informationen preisgegeben hatte, sagte Cheney: "Ich war in der Lage, alle Dinge zu sehen, die hereinkamen, alle Berichte zu erhalten und dann Entscheidungen zu treffen, um darauf zu reagieren." Cheney machte mit anderen Worten deutlich, dass er alle und alles greifbar hatte, was er im PEOC brauchte, um das Kommando zu führen.

Er fügte dann hinzu: "Aber als ich dort ankam – kurze Zeit später – bekamen wir die Meldung, dass das Pentagon getroffen worden war."

Zusammenfassung von Cheneys Darstellung gegenüber Russert

Laut dem, was Vizepräsident Dick Cheney Tim Russert nur fünf Tage nach dem 11. September gesagt hatte, lautete die Abfolge der Ereignisse folgendermaßen:

1. Der Secret Service kam in Cheneys Büro, um ihn hinunter zu bringen, nachdem sie "einen Bericht erhalten hatten, dass ein Flugzeug auf das Weiße Haus zusteuerte." Obwohl das Flugzeug "abdrehte und ... eine Schleife flog, zurückkam und dann das Pentagon traf", fand dies statt, als "es in den Gefahrenzone eintrat und so aussah, als würde es auf das Weiße Haus zusteuern" und Cheney sagte, dass "sie mich packten und mich in den Keller brachten."

2. Die Secret Service-Agenten brachten Cheney schnellstens nach unten in den unterirdischen Korridor (der auch "Zwischen-Schutzraum" genannt wird, was offenbar der Teil des Bunkers ist, den man zuerst erreicht).

3. Während er in diesem Korridor war, nutzte er die gesicherte Telefonleitung, um mit dem Präsidenten zu sprechen; dieses Mal, um ihn dazu zu drängen, seine Rückkehr nach Washington zu verzögern.

4. Er ging von diesem Korridor zu dem Presidential Emergency Operations Center oder PEOC (das auch "Bunkerkonferenzraum" genannt wird).

5. Nach seiner Ankunft im PEOC erfuhr er, dass das Pentagon getroffen worden war. Cheneys Erklärung hier – "Als ich dort ankam – kurze Zeit später – bekamen wir die Meldung, dass das Pentagon getroffen worden war."– ist mehrdeutig. Meinte er, dass er dort kurze Zeit später angekommen war? Oder, dass er innerhalb einer kurzen Zeit nach der Ankunft dort erfahren hatte, dass das Pentagon getroffen worden war? Letzteres scheint wahrscheinlicher. Der wichtigste Punkt ist auf jeden Fall klar: Cheney erfuhr von dem Pentagon-Angriff – welcher Berichten zufolge um etwa 9.38 Uhr stattfand – erst nach der Ankunft im PEOC.

Dies ist deshalb von Bedeutung, weil es dem widerspricht, was die 9/11-Kommission drei Jahre später behaupten würde.

Die Darstellung der 9/11-Kommission

Laut dem Bericht der 9/11-Kommission war der Ablauf der Ereignisse wie folgt:

1. Um 9.33 Uhr erfuhr der Secret Service, dass ein nicht-identifiziertes Flugzeug sich dem Weißen Haus näherte, aber "es wurden keine Schritte unternommen, den Vizepräsidenten zu dieser Zeit in Sicherheit zu bringen", weil der Secret Service um 9.34 Uhr, kurz bevor der Alarm läutete, erfahren hatte, „dass das Flugzeug nach Süden abdrehte."

2. Kurz vor 9.36 Uhr, als der Secret Service erfahren hatte, dass das Flugzeug begann abzudrehen, „ordnete er [der Secret Service] an, den Vizepräsidenten unmittelbar in Sicherheit zu bringen."

3. Nachdem er schnellstens nach unten gebracht worden war, betrat "der Vizepräsident um 9.37 Uhr den unterirdischen Tunnel, der zum Schutzraum führte. Als er sich darin befand, hielten Vizepräsident Cheney und die Agenten in einem Bereich des Tunnels an, der ein sicheres Telefon, eine Sitzbank und einen Fernsehen besaß."

4. Während er dort war, telefonierte der Vizepräsident [mit Florida] und bat darum, den Präsidenten zu sprechen, aber es dauerte eine Weile bis der Aufruf zustande kam."

5. "Er erfuhr im Tunnel, dass das Pentagon getroffen worden war und sah die Fernsehberichterstattung über den Rauch, der aus dem Gebäude kam."

6. Ms. Cheney, die um 9.52 Uhr im Weißen Haus angekommen war, „traf ihren Ehemann in diesem Tunnel."

7. "Um 9.55 Uhr, als der Vizepräsident noch mit dem Präsidenten telefonierte und informierte er ihn, dass drei Flugzeuge vermisst werden und eines das Pentagon getroffen hatte." (Die Kommissionsmitglieder "glauben, dass dies der gleiche Anruf war, in dem der Vizepräsident dem Präsident riet, nicht nach Washington zurückzukommen.")

8. "Nachdem das Gespräch beendet war, gingen Ms. Cheney und der Vizepräsident vom Tunnel in den Bunkerkonferenzraum. ... Der Vizepräsident betrat kurz vor 10.00 Uhr den Raum, möglicherweise um 9.58 Uhr." 9

Wie ein Vergleich der beiden Abläufe zeigt, unterscheidet sich die Darstellung der 9/11-Kommission erheblich von der Darstellung, die Cheney Russert gab.

Widersprüche zwischen den beiden Darstellungen

Laut Cheney kam er in das PEOC bzw. den Bunkerkonferenzraum, bevor er von dem Angriff auf das Pentagon erfahren hatte. Laut 9/11-Kommission hingegen betrat er das PEOC, nachdem er von diesem Angriff (und somit etwa 20 Minuten nach dem Ereignis, das um 9.38 Uhr stattfand) erfahren hatte.

Dieser Gegensatz führt zu einem weiteren: Laut Cheney fand der Anruf, in dem er den Präsidenten aufforderte, sich von Washington fernzuhalten, statt, bevor er von dem Pentagon-Anschlag erfahren hatte. Laut dem Bericht der Kommission fand dieser Anruf jedoch statt, nachdem er von diesem Angriff erfahren hatte, so dass er mit Bush darüber reden konnte.

Die beiden Darstellungen scheinen sich zudem gegenseitig in Hinblick auf den Zeitpunkt zu widersprechen, an dem Cheney hinunter in den Untergrund-Korridor gebracht worden war. Laut dem, was Cheney Russert sagte, geschah dies, als die Secret Service-Agenten gehört hatten, dass sich ein Flugzeug dem Weißen Haus näherte – sie warteten nicht, bis das Flugzeug ein zweites Mal in diese Richtung kam – und dies scheint kurz danach gewesen zu sein, als Cheney den Präsidenten angerufen hatte, um über seine öffentliche Ansprache zu sprechen – einen Anruf, der laut New York Times, um 9.12 Uhr stattfand. Wenn Cheney etwa fünf Minuten später nach unten gebracht worden wäre, so stünde seine Darstellung nicht – zumindest nicht deutlich – mit der Zeugenaussage von Verkehrsminister Norman Mineta im Widerspruch, dass Cheney da war schon, als er um 9.20 Uhr in das PEOC kam, die Mineta der 9/11-Kommission während einer öffentlichen Anhörung im Jahr 2003 gab. 10

Wenn Cheney etwas sehr ähnliches gemeint hätte, stünde seine Darstellung allerdings in starkem Widerspruch zum Bericht der 9/11-Kommission, laut dem er bis 9.36 Uhr nicht einmal nach unten gegangen war und den Korridor nicht vor 9.37 Uhr betreten hatte.

Doch selbst wenn Cheney damit nicht implizieren wollte, dass er das PEOC vor 9.20 Uhr betreten hatte, scheint die natürliche Interpretation seiner Aussage - "Als ich dort [im PEOC] ankam – kurze Zeit später – bekamen wir die Meldung, dass das Pentagon getroffen worden war." – zu sein, dass der Pentagon-Anschlag stattfand, nachdem er das PEOC betreten hatte.

Man kann allerdings darauf hinweisen, dass Cheney dies eigentlich nicht gesagt hat. Er sagte nur, dass er von dem Angriff auf das Pentagon erfahren hatte, nachdem er das PEOC betreten hatte. Jemand, der den zeitlichen Ablauf der 9/11-Kommission befürworten will, könnte argumentieren, dass, obwohl das Pentagon um 9.38 Uhr angegriffen wurde, Cheney etwa 20 Minuten lang nichts von diesem Angriff gehört hatte, nachdem er, wie die Kommission behauptete, das PEOC um 9.58 Uhr betreten hatte. Auf dieser Grundlage, so könnte man argumentieren, könnte Cheneys Darstellung und die der Kommission in Einklang gebracht werden.

Doch abgesehen davon, dass dies extrem unwahrscheinlich ist (die Vorstellung, dass Vizepräsident Cheney, der zuvor Verteidigungsminister gewesen war und am 11. September die diensthabende Person im Weißen Haus war, über einen solchen Angriff über 20 Minuten nicht informiert worden wäre), würde diese versuchte Abstimmung auch durch die zeitliche Abfolge der Kommission ausgeschlossen werden, die besagt, dass Cheney von dem Pentagon-Angriff erfahren hat, als er noch im Korridor war, bevor er das PEOC betrat. Er erzählte Russert aber, dass er davon erfuhr, nachdem er in das PEOC betreten hatte.

Es ist daher unmöglich, die beiden Darstellungen in Einklang zu bringen. Wenn die Geschichte, die Cheney Russert in Camp David nur fünf Tage nach dem 11. September erzählt hat, wahr ist, dann ist die von den 9/11-Kommission im Juli 2004, fast drei Jahre später erzählte Geschichte falsch.

Die einzige Quelle für die zeitliche Abfolge der 9/11-Kommission

Worauf basiert die Zeitleiste der 9/11-Kommission? Sie behauptet, dass die Zeitpunkt von 9.37 Uhr für Cheneys Eintritt in den Korridor, auf der die 9.58 Uhr-Schätzung für seinen Eintritt in das PEOC basiert, auf einer Zeitangabe in einem Bericht des Secret Service beruhte. Doch die Kommission gestand selber ein, dass der Secret Service sagte, dass "die Eintrittszeit von 9.37 Uhr in ihrem Zeitplan auf Alarm-Daten beruhen, die nicht mehr auffindbar sind." 11 Die Behauptung, dass Cheney den Korridor um 9.37 Uhr betrat, basiert in anderen Worten auf keiner offiziellen Dokumentation.

Kann die Kommission journalistische Berichte zitieren, die ihre Zeitleiste unterstützen? Es scheint, als gäbe es eine Darstellung von Journalisten, und zwar nur eine, die diese Zeitleiste unterstützt. Dies war ein MSNBC-Newsweek-Artikel von Evan Thomas, der bei MSNBC auf den 31. Dezember 2001 datiert ist und in der Newsweek-Ausgabe vom 7. Januar 2002 erschien. Dieser Artikel sagte: "Kurz vor 10 Uhr wurden die Cheneys in die PEOC-Konferenzraum geführt. ... Sie sahen auf die TV-Bildschirme. Es war 9.58 Uhr." 12

Mit diesen Worten widersprach Thomas nicht nur dem, was Norman Mineta später der 9/11-Kommission gegenüber sagte, sondern auch dem, was Richard Clarke in dem Buch Against All Enemies schrieb, das zu dieser Zeit bereits ein Bestseller war, als die 9/11-Kommission immer noch Anhörungen durchführte.

Laut Clarke forderte der Secret Service kurz nach der Sitzung, die Cheney zusammen mit Condoleezza Rice nach dem zweiten Angriff auf das World Trade Center abhielt und die um 9.03 Uhr stattfand, sowohl Rice als auch Cheney auf, in das PEOC zu gehen. Rice ging jedoch zunächst mit Clarke in das Video-Telekonferenz-Zentrum des Weißen Hauses, wo Clarke begann, eine Video-Konferenz aufzubauen. Diese Konferenz begann, wie Clarkes Aussagen nahelegen, etwa um 9.10 Uhr. 13 Nachdem sie ein paar Minuten dort waren, sagte Rice laut Clarke: "Sie werden schnell einige Entscheidungen brauchen. Ich werde in das PEOC gehen, um beim Vizepräsident zu sein. Sagen Sie uns, was Sie brauchen." Clarke sagte: "Was ich brauche, ist eine offene Leitung mit Cheney und Ihnen." 14 Einige Minuten später, offenbar um ca. 9.15 Uhr, kam Norman Mineta an und Clarke behauptete, nachdem sie ihn im Situation Room erreicht hatte, „er hätte dort den Vizepräsidenten getroffen." 15 Clarke schien damit zu implizieren, dass Cheney bereits vor 9.15 Uhr im PEOC war.

In einer ABC-News-Sendung mit Peter Jennings am ersten Jahrestag des 11. Septembers wird Condoleezza Rice so dargestellt, als unterstützte sie die frühere Ankunftszeit. Nach der Beschreibung von Cheneys Weg zum PEOC zusammen mit den Secret Service-Agenten, sagte Charles Gibson von ABC: "Oben versuchte die Nationale Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice, den Rest des Präsidententeams zu finden", und danach wird Rice gezeigt, wie sie sagt: "Als ich versuchte, alle Führungsleute zu finden, kam der Secret Service herein und sagte: 'Sie müssen jetzt hier raus und in den Bunker gehen. Der Vizepräsident ist schon da. Es könnte ein Flugzeug geben, das auf das Weiße Haus zusteuert.'" Gibson fügte hinzu: "In dem Bunker trafen sich der Vizepräsident, Rice und Verkehrsminister Norman Mineta." 16 ABC stimmte daher im Voraus Minetas Darstellung zu, wonach Cheney bereits dort unten gewesen war, bevor er ankam.

Laut einer weiteren ABC News-Sendung in derselben Woche unterstützte Cheneys eigener Weiße Haus-Fotograf David Bohrer ebenso die frühere Ankunftszeit. ABC zeigte, wie Bohrer den Moment beschreibt, als die Secret Service-Agenten zu Cheney sagten: "Sir, Sie müssen mit uns kommen", und stellte dieses Ereignis so dar, als wäre es "kurz nach 9 Uhr" passiert, vermutlich, weil es das war, was Bohrer selbst gesagt hatte. 17

Minetas Darstellung wurde auch im Vorfeld von einem Wall Street Journal-Artikel unterstützt, der etwa einen Monat nach dem 11. September veröffentlicht wurde, der die Geschichte dieses Morgens aus der Perspektive von American und United Airlines erklärte. Dieser Artikel erörterte die Handlungen von Donald J. Carty und Jim Goodwin, Top-Manager von AA bzw. UA:

Mr. Carty und Mr. Goodwin ... sprachen am Telefon mit Verkehrsminister Norman Mineta, der sich mit Vizepräsident Dick Cheney in einem Regierungs-Kommando-Bunker befand. Mr. Carty sagte zu Mr. Mineta, dass American Airlines alle seine 162 Flugzeuge anwies zu landen; United Airlines hatte seine 122 Flugzeuge bereits dazu angewiesen. Etwa fünf Minuten später schloss die FAA komplett den Luftraum über den USA für alle Flugzeuge außer für militärische. Etwa um 9.45 Uhr (18) verlor American den Kontakt zu einem dritten Flugzeug. ... Aber ... der Funkkontakt konnte nach 10 Minuten wiederhergestellt werden. ... Bald kamen Berichte herein, dass ein Flugzeug in das Pentagon eingeschlagen war.19

Mineta hatte der FAA an diesem Morgen zwei Befehle erteilt. Der erste, der weitere Flugzeuge am Start hindern sollte, wurde um 9.26 Uhr erteilt. Der zweite, der allen Flugzeugen zu landen befahl, war von 9.45 Uhr, nachdem das Pentagon getroffen worden war.20 Das Journal berichtete über den FAA-Befehl, der vor dem Angriff auf das Pentagon gegeben wurde und nannte ihn irrtümlich einen Befehl, alle Flugzeuge landen zu lassen (Verwechslungen der beiden Befehle waren durchaus üblich).21 Es ist auf alle Fälle klar, dass diese beiden Vertreter der Fluggesellschaften, so wie sie vom Journal interpretiert wurden, berichteten, dass Cheney bereits vor dem Angriff auf das Pentagon im PEOC anwesend war.

Die Zeitleiste der 9/11-Kommission, laut der Cheney viel später ankam, basiert auf einer zweiseitigen Behauptung: dass Cheney den Korridor nicht vor 9.37 Uhr betrat und dass sein nachfolgendes Telefongespräch mit dem Präsidenten etwa 20 Minuten dauerte.

Wie wir oben gesehen haben, ist die angebliche Secret Service-Behauptung, dass Cheney den Korridor nicht vor 9.37 Uhr betrat, laut Aussage der Kommission undokumentiert. Sicherlich kann diese undokumentierte Behauptung das kombinierte Zeugnis von Norman Mineta, Richard Clarke, David Bohrer (wie von ABC News beschrieben), American und United Airlines (wie vom Wall Street Journal beschrieben) und sogar Dick Cheney selbst (das er Tim Russert fünf Tage nach dem 11. September gegeben hat) nicht übertrumpfen.

Dennoch wurde die Behauptung, dass Cheney den Korridor nicht vor 9.37 Uhr betrat, in einer journalistischen Darstellung erwähnt: dem oben genannten MSNBC-Newsweek-Artikel von Evan Thomas. Laut Thomas war es 9.35 Uhr, als der Secret Service Cheneys Büro betrat – wo der Vizepräsident übrigens nicht im „Handlungsmodus“ war, sondern einfach nur "neben seinem Schreibtisch stand und auf den Fernseher in der Ecke blickte." Dieser Artikel enthält auch die anderen wesentlichen Elemente, die später im 9/11-Kommissionsbericht formuliert wurden: Cheneys zeitraubender Anruf an den Präsidenten (der "nicht leicht zu erreichen war"), die Berichterstattung an Cheney über den Pentagon-Anschlag, während er noch im Korridor war, Lynne Cheneys Ankunft als der Vizepräsident noch am Telefon war und dann die Schlussfolgerung: "Kurz vor 10 Uhr wurden die Cheneys in den PEOC-Konferenzraum geführt. ... Sie sahen auf den TV-Bildschirm. Es war 9.58 Uhr." 22

Wenn der zeitliche Ablauf der 9/11-Kommission vom Thomas-Artikel oder von der Quelle bzw. den Quellen für diesen Artikel abgeleitet wurde, lautet die Frage: Wo hat Thomas die Informationen her, auf denen seine Darstellung beruht?

Die Anmerkung der 9/11-Kommission für die Schlussfolgerung, dass die Cheneys "kurz vor 10.00 Uhr, möglicherweise um 9.58 Uhr" im PEOC ankamen, nennt drei Protokolle, die allesamt Abschriften des Weißen Hauses sind: "Lynne Cheneys Interview mit Newsweek, 9. November 2001", "Vizepräsident Cheneys Interview mit Newsweek, 19. November 2001" und "Rice' Interview mit Evan Thomas, 1. November 2001". Daher ist offensichtlich, dass der Evan Thomas-MSNBC-Newsweek-Artikel vom 31. Dezember 2001 maßgeblich auf Interviews mit Condoleezza Rice und den Cheneys basiert.

Es scheint dementsprechend, dass die von Cheney im November gegenüber Newsweek gegebene Darstellung erheblich davon abweicht, was er zwei Monate zuvor Russert in "Meet the Press“ gesagt hatte. Er erzählte Russert, dass er von dem Pentagon-Anschlag erfahren hatte, nachdem er bereits im PEOC war, womit er mit allen Zeugen übereinstimmt, die darauf hingewiesen hatten, dass er vor dem Angriff im PEOC war. Aber laut der Geschichte, die er (zusammen mit seiner Frau und Rice) offensichtlich Newsweek erzählt hat, die später von den 9/11-Kommission akzeptiert wurde, betrat Cheney das PEOC, wo er dann die Verantwortung übernahm, erst ca. 20 Minuten nachdem der Angriff auf das Pentagon bereits stattgefunden hatte.

Mögliche Motive für die Änderung des zeitlichen Ablaufs

Welche möglichen Gründe gäbe es für Cheney, den zeitlichen Ablauf zu ändern? Welche möglichen Motive könnte die 9/11-Kommission dafür gehabt haben, Evan Thomas' Ablauf zu übernehmen, obwohl es offenbar die einzige Darstellung eines Journalisten war, die schildert, dass Cheney das PEOC erst kurz vor 10.00 Uhr betreten hatte?

Ich habe oben die Tatsache erwähnt, dass Verkehrsminister Norman Mineta im Jahr 2003 gegenüber der 9/11-Kommission berichtet hat, dass, als er gegen 9.20 Uhr im PEOC ankam, Cheney bereits da war. Mineta gab die folgende Darstellung eines Gesprächs, dessen er Zeuge war:

Während das Flugzeug auf das Pentagon zukam, kam ein junger Mann hinein, der zum Vizepräsidenten sagte, “Das Flugzeug ist 50 Meilen entfernt“, „Das Flugzeug ist 30 Meilen entfernt.“ Als er „das Flugzeug ist 10 Meilen entfernt“ sagte, fragte der junge Mann den Vizepräsidenten außerdem: „Stehen die Befehle noch?“ Und der Vizepräsident drehte seinen Kopf herum und sagte: „Selbstverständlich stehen die Befehle noch. Haben Sie etwas Gegenteiliges gehört?“ 23

Als Mineta von Kommissionsmitglied Timothy Roemer gefragt wurde, wie lange dieses Gespräch nach seiner Ankunft um 9.20 Uhr dauerte, sagte er: "Wahrscheinlich ungefähr fünf oder sechs Minuten." Das wäre, wie Roemer darauf hinwies, "etwa um 9.25 Uhr oder 9.26 Uhr" gewesen. 24

Bei einem informellen Gespräch im Jahr 2007 bestätigte Mineta übrigens erneut, dass Cheney bereits dort war, als er in das PEOC kam und antwortete: "Absolut." Als er erfuhr, dass die Kommission gesagt hatte, dass Cheney nicht vor 9.58 Uhr angekommen war, brachte Mineta seine Überraschung zum Ausdruck und sagte: "Oh nein, nein, nein, ich weiß nicht, wie es dazu kam." Obwohl Mineta sagte, er "könnte mit 9.25 Uhr missverstanden worden sein", sagte er, dass Cheney auf jeden Fall dort gewesen ist, bevor das Pentagon getroffen wurde und "ebenso Ms. Cheney." 25

Minetas Zeugenaussage vom Jahr 2003 in der Anhörung vor der 9/11-Kommission stellt zwei Probleme für die offizielle Version der Ereignisse des Tages dar. Zum einen impliziert sie, dass Cheney – der Russert sagte, dass er mit Verteidigungsminister Rumsfeld in Kontakt stand – etwa 12 Minuten lang, bevor das Pentagon getroffen wurde, wusste, dass sich ein Flugzeug Washington näherte. Diese Implikation steht in direktem Widerspruch zu der offiziellen Behauptung, wonach Pentagon-Beamten nicht wussten, dass sich ein Flugzeug ihrem Gebäude näherte. Diese Behauptung war essentiell für die Erklärung, warum das Pentagon nicht evakuiert worden war, mit dem Ergebnis, dass 125 Pentagon-Mitarbeiter getötet wurden. Zum Beispiel sagte ein Pentagon-Sprecher, der gefragt wurde, warum diese Evakuierung nicht stattfand: "Das Pentagon wusste einfach nicht, dass dieses Flugzeug auf uns zuflog." 26

Ein zweites Problem, das durch Minetas Geschichte geschaffen wurde, beinhaltet die Art der "Befehle". Obwohl Mineta annahm, wie er sagte, dass es Befehle waren, das Flugzeug abzuschießen, wurde kein Flugzeug im Anflug auf Washington abgeschossen. Auch macht Minetas Interpretation die Frage des jungen Mannes unverständlich. Angesichts der drei Tatsachen, dass der Luftraum über dem Pentagon als "verboten“ kategorisiert ist, was bedeutet, dass Verkehrsflugzeuge darin verboten sind, dass zwei entführten Flugzeuge bereits in die Zwillingstürme eingeschlagen sind und dass noch weitere Flugzeuge als entführt gemeldet wurden, wäre der zu erwartende Befehl gewesen, es abzuschießen, wenn sich ein nicht-identifiziertes Flugzeug diesem Luftraum genähert hat. Hätte Cheney jenen Befehl gegeben, hätte es für den jungen Mann keinen Grund gegeben zu fragen, ob die Befehle noch Bestand haben. Seine Frage hat nur dann Sinn, wenn die Befehle lauteten, etwas Unerwartetes zu tun – es nicht abzuschießen. Die natürlichste Interpretation von Minetas Geschichte war dementsprechend, dass er versehentlich berichtet hatte, dass er gehört hatte, wie Cheney die Stand-down-Befehle bestätige.

Dass Mineta Zeugenaussage als eine gefährliche Bedrohung für den offiziellen Bericht wahrgenommen wurde, wird durch mehreren Maßnahmen nahegelegt, die die 9/11-Kommission ergriffen hat. Die erste Maßnahme war die, auf die wir uns konzentriert haben: die Behauptung, die auf der durch das Weiße Haus gelieferten Newsweek-Geschichte basiert, dass Cheney das PEOC – zu welcher Zeit er sich erstmals im Handlungsmodus befand (davor sprach er nur mit dem Präsidenten und sah Fernsehen) – erst 20 Minuten nachdem das Pentagon getroffen worden war, betreten hatte.

Eine zweite Maßnahme bestand darin, diesen Teil von Minetas Zeugenaussage im 9/11-Kommissionsbericht nicht zu erwähnen.

Eine dritte Maßnahme ist die Tatsache, dass dieser Teil von Minetas Zeugenaussage im Videoarchiv der 9/11-Kommission fehlt. 27

Eine vierte Maßnahme war die Schaffung einer alternativen Version der Geschichte über ein sich näherndes Flugzeug. Der 9/11-Kommissionsbericht schrieb dazu:

Um 10.02 Uhr bekamen die Fernmelder im Bunker das erste Mal vom Secret Service Meldungen über ein sich näherndes Flugzeug. ... Irgendwann zwischen 10.10 Uhr und 10.15 Uhr sagte ein Adjutant zum Vizepräsidenten und weiteren Personen, dass das Flugzeug 80 Meilen entfernt war. Vizepräsident Cheney wurde gebeten, den Abschuss des Flugzeugs zu genehmigen. ... Der Vizepräsident erteilte Kampfflugzeugen die Genehmigung, das Flugzeug abzuschießen. ... Der Adjutant kam paar Minuten später wieder, wahrscheinlich zwischen 10.12 Uhr und 10.18 Uhr, und sagte, dass das Flugzeug 60 Meilen entfernt ist. Er fragte erneut nach der Genehmigung, es abschießen zu dürfen. Der Vizepräsident sagte wieder ja.28

Obwohl diese Geschichte einige Gemeinsamkeiten mit der Geschichte Minetas hat, unterscheidet sie sich in zwei wesentlichen Punkten. Sie macht deutlich, dass Cheney einen Abschuss und keinen Stand-down-Befehl erteilte. Und dieser kam viel zu spät, um noch eine Bedeutung für den Pentagon-Angriff zu haben.

Dieser Befehl könnte außerdem, dadurch dass er so spät kam – und dies stellt ein zweites mögliches Motiv für die revidierten Zeitleiste dar – keine Bedeutung für die weitere kontroverse Frage gehabt haben: Ob das US-Militär das Flugzeug United 93 über Pennsylvania abgeschossen hatte (das gemäß der 9/11-Kommission um 10.03 Uhr abgestürzt war).

Es gab Berichte, dass dies tatsächlich geschehen war. Zum Beispiel, berichtete Major Daniel Nash, einer der F-15-Piloten, die losgeschickt wurden, um an diesem Morgen über New York City zu fliegen, dass ihm, als er zur Basis zurückkam, gesagt wurde, dass eine F-16 ein Verkehrsflugzeug in Pennsylvania abgeschossen hatte. 29 Dieses Gerücht wurde weit genug verbreitet, dass es während der Anhörung General Richard Myers' im Senate Armed Services Committee am 13. September angesprochen wurde. Der Vorsitzender Carl Levin sagte, dass "es Aussagen gab, dass das Flugzeug, das in Pennsylvania abstürzt ist, abgeschossen wurde,“ und fügte hinzu: "Diese Geschichten existieren weiterhin." 30 Myers bestritt, dass das geschehen war, aber zahlreiche weitere Offiziere erklären später, dass ihre Kampfflugzeuge in der Lage waren, dies zu tun. 31 Richard Clarke gab später darüber hinaus an, dass Cheney die Genehmigung um ca. 9.50 Uhr gegeben hatte, 32 was für das Militär eindeutig rechtzeitig genug gewesen wäre, um es um 10.03 Uhr abgeschossen haben zu können.

Gemäß der Kommission war das sich nähernde Flugzeug, das irgendwann nach 10.10 Uhr Cheneys Abschussgenehmigung ausgelöst hatte, tatsächlich United 93. Cheney und das Militär wussten aber nicht, dass dieser Flug schon um 10.03 Uhr abgestürzt war. 33 Soweit diese Geschichte als Wahrheit akzeptiert wird, konnte das Militär unter Cheneys Befehl United 93 daher nicht abgeschossen haben.

Schlussfolgerung

Wie wir gesehen haben, scheint es, dass der Zeitablauf der 9/11-Kommission durch die Darstellung, die Cheney - zusammen mit Lynne Cheney und Condoleezza Rice - gegenüber Newsweek gab, welcher die Möglichkeit ausschließt, dass er für den Anschlag auf das Pentagon oder den Abschuss von Flug 93 verantwortlich hätte sein können, von Cheney sich selbst kam.

Wohl der stärkste Beweis gegen diesen Zeitablauf ist die Darstellung, die Cheney Tim Russert in der 16. September 2001-Sendung von "Meet the Press" gab. Der Zeitablauf der 9/11-Kommission steht selbstverständlich auch in starkem Widerspruch zu den Aussagen von Richard Clarke, Norman Mineta und weiteren Personen. Das Ignorieren dieser Darstellungen hat sich zwar als leicht erwiesen. Es wird jedoch sehr viel schwieriger sein, weiterhin die Aussage gegenüber Russert auf "Meet the Press“ zu ignorieren. Neben der Tatsache, dass diese Darstellung von Cheney selbst gegeben wurde, wurde sie auch gerade einmal fünf Tage nach dem 11. September gegeben, als die Ereignisse des Tages noch frisch im Gedächtnis waren.

Auch ist Russerts Interview mit Cheney weitgehend bekannt. Matt Lauer zum Beispiel sagte: "Ich erinnere mich lebhaft an dieses Interview. ... Ich klebte förmlich daran." 34 Cheneys Beschreibung dieses Interviews im Jahr 2008 als ein "bemerkenswerter Moment in der amerikanischen Geschichte" hat darüber hinaus wahrscheinlich viele Menschen, darunter viele Journalisten ermutigt, es zu erneut auszusehen.

Bei der Beschreibung von Russerts typischer Methode in "Meet the Press" lobte ihn Cheney zu Recht, indem er sagte: "Er stellte dir harte Fragen, er erinnerte dich an Zitate, die du zuvor bei anderen Situationen oder in früheren Sendungen gemacht hattest, somit kam man mit nichts davon, wenn man Tim gegenüber saß." Aber Cheney ist erst einmal mit dem Widerspruch zwischen dem, was er Russert sagte und dem, was er offensichtlich Newsweek sagte, was wiederum zur Position des 9/11- Kommissionsberichts wurde, davongekommen. Aber vielleicht wird das nicht weiter der Fall sein, vor allem jetzt, wo Cheney die Aufmerksamkeit der Welt auf sein Camp-David-Interview mit Tim Russert gezogen hat.

Der Widerspruch zwischen dem Bericht der 9/11-Kommission und Cheneys eigenen Worten existiert nur wegen der Antwort, die Tim Russert ihm entlockte. Welche bessere Anerkennung könnten Journalisten auf der ganzen Welt Russerts Leben und Arbeit zollen, als diesem Widerspruch nachzugehen und Antworten darauf zu verlangen, warum er existiert?

David Ray Griffin hat bisher 33 Bücher geschrieben; die neuesten sind Debunking 9/11 Debunking: An Answer to Popular Mechanics and Other Defenders of the Official Conspiracy Theory (2007) und 9/11 Contradictions: An Open Letter to Congress and the Press (2008) Er ist Tod Fletcher und Elizabeth Woodworth für ihre Hilfe bei diesem Aufsatz zu Dank verpflichtet.

1 “The Vice President Appears on Meet the Press with Tim Russert”, MSNBC, 16. September 2001 (http://georgewbush-whitehouse.archives.gov/vicepresident/news-speeches/s...)

2 “Interview of the Vice President by Matt Lauer of NBC News”, 14. Juni 2008 (http://georgewbush-whitehouse.archives.gov/news/releases/2008/06/2008061...).

3 ebda.

4 ebda.

5 William Langley, “Revealed: What Really Went On During Bush’s ‘Missing Hours’ ”, Telegraph, 16. Dezember 2001 (http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/northamerica/usa/1365455/Revea...), sagt, dass Bush den Raum um 9.12 Uhr verließ. Dennoch behauptet Bill Sammon, dass Bush länger verweilte (Fighting Back: The War on Terrorism: From Inside the Bush White House [Washington: Regnery, 2002], Seite 89-90).

6 David E. Sanger und Don Van Natta Jr., “After the Attacks: the Events; In Four Days, a National Crisis Changes Bush’s Presidency”, New York Times, 16. September 2001 (www.nytimes.com/2001/09/16/us/after-attacks-events-four-days-national-cr...).

7 “The Vice President Appears on Meet the Press with Tim Russert”, MSNBC, 16. September 2001 (www.whitehouse.gov/vicepresident/news-speeches/speeches/vp20010916.html)

8 Die Mitschrift gibt “call a PEOC” an, aber dies war sicherlich eine fehlerhafte Mitschrift für “called PEOC”.

9 The 9/11 Commission Report: Final Report of the National Commission on Terrorist Attacks upon the United States, Authorized Edition (New York: W. W. Norton, 2004) (www.9-11commission.gov/report/911Report.pdf), Seite 39-40.

10 9/11 Commission Hearing, 23. Mai 2003 (www.9-11commission.gov/archive/hearing2/9-11Commission_Hearing_2003-05-2...). Mineta gab diese Darstellung im Verhör durch den stellvertretenden Vorsitzenden der 9/11-Kommission Lee Hamilton und das Kommissionsmitglied Timothy Roemer. Minetas Befragung durch Hamilton kann angesehen werden auf: http://video.google.ca/videoplay?docid=-3722436852417384871, seine Befragung durch Roemer auf www.911truth.org/article.php?story=20050724164122860.

11 The 9/11 Commission Report, Seite 464 Anmerkung 209.

12 Evan Thomas, “The Story of September 11”, MSNBC, 31. Dezember 2001. Obwohl dieser Artikel nicht länger auf der Internetseite von MSNBC erreicht werden kann, ist er verfügbar auf “The Day That Changed America”, Jersey Shore Today welcher besagt, dass er in der 7. Januar-Ausgabe von Newsweek erschien (http://web.archive.org/web/20080630093633/http://jerseyshoretoday.com/ar...).

13 Richard A. Clarke, Against All Enemies: Inside America’s War on Terror (New York: Free Press, 2004), Seite 1-4.

14 ebda., Seite 2-4. Clarke berichtete ein paar Seiten später, dass er diese Leitung verwendete, um kurz nach 9.30 Uhr Befehle zu erhalten und war "erstaunt über die Geschwindigkeit der Entscheidungen, die von Cheneys kamen." (8)

15 ebda., Seite 5.

16 “9/11: Interviews by Peter Jennings”, ABC News, 11. September 2002
(http://s3.amazonaws.com/911timeline/2002/abcnews091102.html).

17 “Sept. 11’s Moments of Crisis: Part 2: Scramble”, ABC News, 14. September 2002 (http://web.archive.org/web/20021003222152/http:/abcnews.go.com/onair/Dai...).

18 Der Text schreibt “8:45 a.m. CDT”. Ich habe diese Zeitangabe in die Sommerzeit der Ostküste umgerechnet, damit diese mit allen anderen genannten Zeiten übereinstimmt.

19 Scott McCartney und Susan Carey, “American, United Watched and Worked In Horror as Sept. 11 Hijackings Unfolded”, Wall Street Journal, 15. Oktober 2001 (http://s3.amazonaws.com/911timeline/2001/wallstreetjournal101501.html).

20 Jane Garvey, die Leiterin der FAA, sagte am 21. September 2001 zum House Subcommittee on Aviation: “Sobald Minister Mineta sich der Art und des Umfangs des Terrorangriffs auf New York und Washington bewusst war ... befahl der Minister dem Luftverkehrssystem, den Luftraum für alle zivilen Flüge zu schließen. ... Um 9.26 Uhr, bevor entweder American Airlines-Flug 77 oder United Airlines-Flug 93 abgestürzt war, wurde ein nationales Startverbot erteilt, das alle Flugzeuge am Starten hinderte. Um 9.45 Uhr sollten alle in der Luft befindlichen Flugzeuge auf dem nächsten Flughafen landen." (http://avalon.law.yale.edu/sept11/garvey_001.asp).

21 Siehe David Ray Griffin, 9/11 Contradictions: An Open Letter to Congress and the Press (Northampton: Olive Branch, 2008), Kapitel 4.

22 Thomas, “The Story of September 11”

23 9/11 Commission Hearing, 23. May 2003

24 ebda.

25 “9/11 Seattle Truth Meets Norm Mineta” (http://www.youtube.com/v/u-5PKQTUz5o).

26 “Air Attack on Pentagon Indicates Weaknesses”, Newsday, 23. September 2001
(http://s3.amazonaws.com/911timeline/2001/newsday092301.html).

27 Siehe Gregor Holland, “The Mineta Testimony: 9/11 Commission Exposed”, 911truthmovement.org, 1. November 2005 (http://www.911truthmovement.org/archives/2005/11/post.php).

28 The 9/11 Commission Report, Seite 41

29 Kevin Dennehy, “I Thought It Was the Start of World War III”, Cape Cod Times, 21. August 2002 (www.capecodonline.com/apps/pbcs.dll/article?AID=/20020821/NEWS01/3082199...).

30 General Myers Confirmation Hearing, Senate Armed Services Committee, 13. September 2001
(http://emperors-clothes.com/9-11backups/mycon.htm).

31 Siehe Griffin, 9/11 Contradictions, Kapitel 13, “Could the Military Have Shot Down Flight 93?”

32 Siehe ebda., Kapitel 5, “When Did Cheney Issue the Shootdown Authorization?”

33 The 9/11 Commission Report, Seite 41.

34 “Interview of the Vice President by Matt Lauer of NBC News”