4. Kapitel: Wer hätte ein Motiv zum Fälschen der Nachrichten haben können?

Osama bin Laden: Tot oder lebendig?

4. Kapitel

Wer hätte ein Motiv zum Fälschen der Nachrichten haben können?

Keine der nach 2001 veröffentlichten Botschaften bin Ladens ist zweifelsfrei authentisch, vielmehr scheinen einige von ihnen, wie wir gesehen haben, offensichtlich Fälschungen zu sein – was zur Vermutung führt, dass alle gefälscht worden sind.

Seit 2002 erscheinen derartige Bänder mit ziemlicher Regelmäßigkeit. Wenn es sich dabei um Fälschungen handelt, impliziert dies, dass eine oder mehrere Organisationen für die Herstellung dieser falschen Bänder verantwortlich sind, um die Welt davon zu überzeugen, dass bin Laden noch lebt. Ist dies möglich?

Technisch ist das, wie schon beschrieben, kein Problem. Die Frage ist nun, ob eine beziehungsweise mehrere Organisationen mit den technischen Möglichkeiten der digitalen Bild- und Tonmanipulation auch Motive hatten, dies zu tun.

Ein Artikel von Nick Davies im Londoner Independent über sein Buch Flat Earth News, das von Lüge, Manipulation und Propaganda in den globalen Medien handelt, könnte relevant für diese Frage sein.

In diesem Artikel mit dem Titel „Wie sich die Schlapphüte der Nachrichten bemächtigt haben“ beschreibt Davies eine »neuartige Propagandamaschinerie, welche von den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten seit den Terroranschlägen im September 2001 geschaffen wurde.«

Diese Propagandamaschinerie resultiert, wie Davies schrieb, »in einer konzertierten Strategie, die globale Wahrnehmung zu manipulieren. Und die Massenmedien sind zu ihren willfährigen Assistenten geworden, sie unterlassen es sowohl, diesem zu widerstehen als auch dies zu entlarven.«

Mit der Erwähnung der »Verbündeten« Amerikas schien Davies vor allem Großbritannien im Fokus zu haben. Nach der Beschreibung dieser Propagandamaßnahmen des Pentagon, auch bekannt als PSYOPS, fuhr Davies fort: »Im britischen Verteidigungsministerium arbeitet das Referat für Zielerfassung und Informationskriegsführung mit Spezialisten aus 15 Abteilungen für psychologische Operationen zusammen; hierbei handelt es sich um Unterorganisationen des Defence Intelligence and Security Center.«1

Ein Produkt dieser Propagandamaschinerie war, so Davies, der Brief von 2004, welcher von Abu al-Zarqawi an die afghanische al-Qaida-Führung geschickt wurde, wie bereits im vorherigen Kapitel besprochen. Die Bush-Administration hatte im Vorfeld des Irakkrieges al-Zarqawi, der als Jordanier bis dato keinerlei Verbindung zu al-Qaida hatte, als primäres Bindeglied zwischen dieser Organisation und der Regierung von Saddam Hussein genannt.

In seiner berühmt gewordenen Rede im Februar 2003 vor den Vereinten Nationen behauptete Außenminister Colin Powell fälschlicherweise, der Irak gewähre »einem tödlichen Terrornetzwerk Unterschlupf, das von Abu Musab al-Zarqawi geleitet wird, (…) einem Gefährten und Mitstreiter Osama bin Ladens.«2

Obwohl die Bush-Regierung den Beweis für diese Behauptung stets schuldig geblieben ist, bekam der damalige Korrespondent der New York Times in Bagdad, Dexter Filkins, im Februar 2004 ein Dokument zu Gesicht, welches angeblich aus der Feder al-Zarqawis stammte und dies offenbar bestätigte, zumindest aber würde der gegenwärtige »Aufstand« im Irak von einem al-Qaida-Führer geleitet.

Filkins widmete sich diesem Dokument, indem er es vollständig innerhalb eines am 9. Februar 2004 veröffentlichten Artikels auf der Titelseite der New York Times abdrucken ließ, der folgendermaßen begann:

US-Beamten wurde [in Bagdad] ein detailliertes Dossier vorgelegt. Sie vermuten, dass es von einem irakischen Agenten verfasst wurde, adressiert an hochrangige Führer der al-Qaida, mit der Bitte um Unterstützung für einen Religionskrieg in den kommenden Monaten im Irak. Die Amerikaner gehen indes davon aus, dass der Jordanier Abu Musab al-Zarqawi, der wegen angeblicher Verbindungen zu al-Qaida lange Zeit unter US-amerikanischer Beobachtung stand, das undatierte 17-seitige Dokument verfasst hat. Man nimmt an, dass Mr. Zarqawi im Irak aktiv ist.

Dieses Dokument wies laut Filkins auf die Möglichkeit hin, dass – obwohl die Strategie der Vereinigten Staaten im Irak gegen al-Qaida funktionierte – al-Qaida versuchen könnte, sich selbst mit Angriffen gegen die schiitische Mehrheit im Irak zu retten, indem sie die Schiiten provozieren, die Sunniten zu bekämpfen, die sich dann ihrerseits mit al-Qaida verbünden würden.3

Zur Frage der Echtheit des Dokuments schrieb Filkins: »Die amerikanischen Beamten in Bagdad äußerten sich zuversichtlich und teilten mit, dass ihnen von unabhängiger Stelle die Urheberschaft von Mr. Zarqawi bestätigt wurde.«

Zwar räumte Filkins ein, es könnten »auch andere Interpretationen möglich sein«, relativierte aber augenblicklich: »Ein hochrangiger Geheimdienstbeamter der Vereinigten Staaten sagte in Washington, ihm sei kein Grund für die Annahme bekannt, dass der Brief in welcher Weise auch immer fingiert sein sollte.«

Filkins gab darüber hinaus weitere Informationen aus ungenannten Quellen preis:

Nach Informationen der US-Beamten vor Ort wurde das in arabischer Sprache abgefasste Dokument Mitte Januar entdeckt, nachdem ein der al-Qaida nahestehender Verdächtiger verhaftet worden war. Während des Verhörs habe der Verdächtige laut den amerikanischen Beamten Mr. Zarqawi als Verfasser des Dokuments genannt. Der Brief war auf einer CD-ROM abgespeichert und sollte von dem Verhafteten, wie von den Amerikanern mitgeteilt wurde, den Leuten überbracht werden, die sie als »inneren Zirkel« der al-Qaida-Führung bezeichneten.

Dies bezieht sich vermutlich auf Osama bin Laden und seinen Stellvertreter Dr. Ayman al-Zawahiri [sic].4

Diese Story, die sofort zur Sensation avancierte, wurde vom Großteil der Massenmedien für bare Münze genommen.5 William Safire beispielsweise, Kolumnist der New York Times, kolportierte Filkins Artikel als »rauchenden Colt« und steigerte sich sogar in die Behauptung hinein, er würde »die wiederholten Mutmaßungen der Kritiker Bushs, es habe nie einen klaren Zusammenhang zwischen Saddam Hussein und Osama bin Laden gegeben, zerstören.«6

Einige Journalisten fanden dennoch genügend Anhaltspunkte, die Anlass zur Skepsis gaben. Christopher Dickey, Herausgeber der Newsweek-Regionalausgabe für den Mittleren Osten, schrieb auf der Newsweek-Webseite:

Angesichts des Rekordes der Bush-Regierung an wertlosen und schlechten Geheimdienstinformationen und noch schlechteren Schuldzuweisungen muss man sich fragen, ob dieses Schreiben eine Totalfälschung ist. Woher wissen wir, dass der Text echt ist? Woher kam er? Von wem? Und wann? Und woher wissen wir, dass er von Zarqawi stammt? Wir wissen es nicht. Die Regierung erwartet von uns, dass wir ihr das alles einfach glauben sollen.7

Rod Nordland, Newsweek-Büroleiter in Bagdad, fielen ebenfalls Ungereimtheiten auf. Er sagte über dieses Dokument:

Es fällt ein wenig schwer, vorbehaltlos daran zu glauben. Ursprünglich soll es von kurdischen Quellen gekommen sein, die eine lange Geschichte der Desinformation und Heuchelei aufweisen. Es handelt sich hierbei um ein elektronisches Dokument auf einer CD-ROM, so dass es keine Möglichkeit gibt, die Handschrift oder gar die Unterschrift zu analysieren, einmal abgesehen von den Aussagen der Festgenommenen, welche die CD bei sich hatten, worüber die Behörden nicht viele Informationen preisgegeben haben.8

Die vielleicht deutlichste Kritik kam von Greg Weiher, einem Politikwissenschaftler an der Universität Houston. Weiher veröffentlichte einen Artikel im Onlinemagazin Counterpunch und argumentierte, dass es viele begründete Zweifel an der Authentizität des Schreibens gibt.

Zum einen tauchte dieses Schriftstück – welches die offizielle Darstellung der Bush-Administration unterstrich – zu einem Zeitpunkt auf, als der Präsident auf der Beliebtheitsskala steil nach unten rutschte; die meisten Amerikaner waren mittlerweile davon überzeugt, dass die angeblichen Beweise, die die Invasion im Irak rechtfertigen sollten, von Bush selbst nur konstruiert und mithin eine Lüge waren.

»Wenn Sie Karl Rove wären, könnten Sie kein besseres Szenario [als diesen Brief] entwerfen, um die Haltung der Regierung zu diesem Krieg deutlich zu machen.« Ein weiteres Merkmal, um misstrauisch zu sein, sind laut Weiher die zitierten »Quellen«:

Beachten sie das Fehlen von Zitaten eines bestimmten CPA-Kontaktes [Coalition Provisional Authority = Koalitionsübergangsverwaltung des Irak] oder der Bush-Administration. Beachten Sie das Fehlen eines Echtheitszertifikates für diesen Brief von Experten oder Autoritäten, von „US-Beamten“ einmal abgesehen. Beachten Sie fernerhin das Versäumnis, auch ausländische Geheimdienste, al-Qaida-Experten sowie Experten für nationale Befreiungskriege zu konsultieren. Beachten Sie, dass versäumt wurde, Hintergrundinformationen über die Behauptungen bereitzustellen, Zarqawi hätte tatsächlich diesen Brief geschrieben und er wäre immer noch im Irak oder er würde mit Saddam Hussein zusammenarbeiten.

Diese Geschichte stammt ausschließlich aus ungenannten Quellen innerhalb der amerikanischen Regierung. (…) Gibt es jemanden, der sich für die Echtheit dieses Dokumentes verbürgt? Hochstehende US-Beamte, einige amerikanische Geheimdienstexperten (…) zwei Militärangehörige (…)9

Die von Weiher und den Newsweek-Autoren aufgezeigte Problematik hätte für die meisten Reporter offensichtlich sein müssen, doch nur die wenigsten haben sie erwähnt. Eine Ausnahme war Adrian Blomfield, der im Londoner Telegraph einen Artikel mit dem Titel „Wie die USA den Mythos von Zarqawi, dem Superhirn, schürten“ platzierte. Er gab die Worte eines militärischen Geheimagenten im Irak wieder, nach denen Zarqawi »mehr Mythos als Mensch sei.« Laut Blomfield »behaupteten hochrangige Diplomaten in Bagdad, der Brief sei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Schwindel.«10

Die Tatsache, dass der Brief offenkundig eine Farce war, wurde von den amerikanischen Massenmedien im Jahre 2006 aufgedeckt, nachdem Thomas Ricks ein Exposé in der Washington Post mit dem Titel „Militär spielt die Rolle von Zarqawi hoch“ veröffentlicht hatte. Sein Artikel begann folgendermaßen:

Aus internen militärischen Dokumenten sowie Aussagen von Offizieren, die mit dem Programm vertraut sind, geht hervor, dass das US-Militär eine Propagandakampagne durchführt, um die Rolle des al-Qaida-Führers im Irak hochzuspielen. Dieser Aufwand hat (…) es der Bush-Regierung ermöglicht, den Krieg mit der für den 11. September 2001 verantwortlichen Organisation zu verbinden.11

Basierend auf dem Protokoll einer Sitzung von Offizieren der US-Armee im Sommer 2005 zitierte Ricks Oberst Derek Harvey – einen Beamten des militärischen Geheimdienstes, der im Auftrag der vereinigten Stabschefs für Fragen irakischer Geheimdienstinformationen zuständig war – mit den Worten: »Unsere eigene Fokussierung auf Zarqawi hat sein Zerrbild vergrößert, wenn Sie so wollen – und machte ihn wichtiger, als er in Wirklichkeit ist.«

Weiterhin berichtete Ricks über diverse interne militärische Dokumente, die sich, wie er schrieb, auf während dieser Propagandaaktion verwendeten Methoden bezogen, um, wie ein Dokument es ausdrückte, »Zarqawi zu diffamieren.« Zu diesen Methoden zählen »Operationen in öffentlichen Medien« und »PSYOPS«.

Gegen wen richteten sich diese Medien- und psychologischen Operationen? In Anbetracht dessen, dass es der US-Militärpolitik widerspricht, dass sich diese Maßnahmen gegen US-Amerikaner richten, gab Ricks die Worte von Oberst James A. Treadwell, der im Jahre 2003 die US-militärische PSYOPS-Einheit im Irak leitete, wieder, dass dieses Verbot in ihnen »tief verwurzelt ist. Man psyopt Amerikaner nicht. Wir tun das einfach nicht.«

Die Zusicherung Treadwells steht jedoch in Widerspruch zu einigen jüngeren Presseberichten, so beispielsweise der Associated Press:

Das Pentagon investiert mittlerweile dramatisch hohe Summen, um das, wie es genannt wird, menschliche Terrain der öffentlichen Meinung in der Welt für sich zu gewinnen. Dabei häufen sich die Bedenken, dass diese Propaganda – auch wenn dabei gegen Bundesgesetze verstoßen wird – ebenfalls in der Heimat eingesetzt wird. Eine Untersuchung der Associated Press ergab, dass die Mittel, die das Militär investiert hat, um die Zustimmung der Bevölkerung im In- und Ausland zu gewinnen, in den letzten fünf Jahren um 63 Prozent gestiegen sind. (…)

Am 12. Dezember stellte der Generalinspekteur des Pentagons bei einer Überprüfung fest, dass das Büro für öffentliche Angelegenheiten die Grenzen der Propaganda überschritten haben könnte. (…) »Die öffentliche Meinung der Amerikaner stellt für sie ein wichtiges Schlachtfeld dar«, so Marc Lynch, Professor an der George Washington-Universität.12

Dieser Bericht der Associated Press bestätigte, wie bereits von Thomas Ricks recherchiert, im Übrigen die Existenz eines Instruktionspapieres (als Overheadfolien) über die »strategische Kommunikation« der USA im Irak, welches das »heimische Publikum« zu den sechs größten Zielen zählt.

Wurden für diese Propagandakampagne des Militärs US-Reporter instrumentalisiert, um dieses »heimische Publikum« anzusprechen?

Hier zitierte Ricks Brigadegeneral Mark Kimmitt, ehemaliger Hauptpressesprecher des US-Militärs im Jahre 2004 zu Beginn der Propagandamaßnahme: »Wir haben darauf vertraut, dass Dexter [Filkins] eine sorgfältige Geschichte schreibt und lieferten ihm einen echten Knüller. (…) Es gab keinen Versuch, die Presse zu manipulieren.« Laut Ricks jedoch bedeuteten die Instruktionen etwas anderes:

Das Militär hat direkte Anstrengungen unternommen, um unter Zuhilfenahme der US-Medien die Meinung über den Krieg zu beeinflussen. Eine Folie (…) beispielsweise zeigt ein »selektives Leck« über Zarqawi, vorgesehen für Dexter Filkins, Korrespondent für die New York Times in Bagdad.

Ricks unterstrich die Bedeutung dieser Entdeckung: »Offizielle Beweise dafür, dass im Rahmen einer Propagandaaktion US-Reporter mit einbezogen werden, sind selten.« Er zitierte nochmals Kimmitt, der während eines internen Briefings sagte: »Das Zarqawi-PSYOP-Programm ist die bislang erfolgreichste Informa-tionskampagne.«13

Dabei spielte Kimmitt offensichtlich selbst eine Rolle in der Öffentlichkeit. An dem Tag, als Filkins' Reportage in der New York Times erschien, erklärte er: »Wir glauben, dass der Bericht sowie das Dokument glaubwürdig sind und nehmen den Bericht ernst. (…) Es handelt sich eindeutig um einen Plan Außenstehender, die dieses Land infiltrieren und hier einen Bürgerkrieg entfachen wollen.«14

Es sieht so aus, als wäre das „al-Zarqawi-Dokument“ als In-strument einer PSYOPS-Kampagne, die sich zum Teil auf die amerikanische Öffentlichkeit konzentriert hatte, konstruiert worden. Zielsetzung war, für mehr Unterstützung für das Engagement der US-Streitkräfte im Irak zu werben, indem es als Teil der Antwort der USA auf den 11. September herausgestellt wurde.

Diese Schlussfolgerung ist relevant für die Eingangsfrage dieses Kapitels: Wenn gefälschte Tonband- und Videonachrichten von bin Laden produziert worden sind, um die Menschen davon zu überzeugen, dass bin Laden noch lebt, wer könnte dann ein Motiv dafür haben?

Eine Antwortmöglichkeit könnte eine weitere Intervention des US-Militärs in Afghanistan sein, die eng mit der »Jagd auf bin Laden« verknüpft ist. Denn sollte die amerikanische Öffentlichkeit zu der Überzeugung gelangen, dass bin Laden tot ist, hätte sie kein Verständnis mehr für diese Intervention. Falls der militärische Nachrichtendienst Beweise gefälscht hat, um eine Verbindung zwischen der Organisation, von der man annimmt, dass sie am 11. September Amerika angegriffen hat, und dem Krieg im Irak herzustellen, warum sollte er dann nicht auch Beweise fälschen, die belegen, dass bin Laden noch am Leben ist, um die »Jagd« auf ihn fortsetzen zu können?

Dank des digitalen Morphings hatte der militärische Geheimdienst mit Sicherheit die Möglichkeit dazu. Wie wir gesehen haben, hatte William Arkin bereits im Jahre 1999 festgestellt, dass diese Technologie »den Kinderschuhen entwachsen« war und für »psychologische Operationen – PSYOPS, wie sie das Militär nennt – verfügbar war.«15

Die Bush-Regierung dürfte auch dem Militär die Unterstützung für eine derartige Operation gewährt haben. Tom Curley, Präsident und Vorstandsvorsitzender der Associated Press, berichtete mit den Worten des Journalisten John Hanna, dass »die Bush-Regierung das US-Militär zu einer globalen Propagandamaschinerie umgewandelt hat.«16 Associated Press veröffentlichte diesen Bericht:

Die Ausgaben für Öffentlichkeitsarbeit sind seit 2003 mehr als doppelt so hoch. (…) Der am schnellsten wachsende Bereich der militärischen Medien sind „psychologische Operationen“, die Kosten hierfür haben sich seit 2003 verdoppelt.17

Bezugnehmend auf die Frage der Wahrscheinlichkeit, ob diese psychologischen Operationen auch das Herstellen gefälschter Audio- und Videobänder vorsehen, veröffentlichte Jeff Stein in seinem Blog „Spy Talk“ in der Washington Post am 25. Mai 2010 folgenden Bericht:

Die Iraq Operations Group der CIA hatte – während der Planungen für die Irak-Invasion im Jahre 2003 – eine ganze Reihe von Ideen, um Saddam Hussein in den Augen seines Volkes zu diskreditieren. Eine dieser Ideen war, so zwei ehemalige mit dem Projekt betraute CIA-Beamte, das Herstellen eines Videos, welches den irakischen Diktator beim Sex mit einem männlichen Jugendlichen zeigen sollte. »Es sollte aussehen, als wäre es mit einer versteckten Kamera aufgenommen worden«, sagte einer der ehemaligen Beamten. »Sehr unscharf, als wäre es eine geheime Videoaufzeichnung von sexuellen Handlungen (…)«

Eine weitere Idee war, das irakische Fernsehprogramm mit einer gefälschten Sondersendung zu unterbrechen. Ein Hussein verkörpernder Schauspieler sollte den Rücktritt Husseins zugunsten seines (viel geschmähten) Sohnes Uday verkünden: »Ich bin sicher, Sie werden Seiner Exzellenz Uday jede nur denkbare Unterstützung zuteilwerden lassen«, hätte der falsche Hussein salbungsvoll formuliert.

Die Technikabteilung der Spionagebehörde war an diesen Ideen beteiligt. Sie produzierten tatsächlich ein Video, welches Osama bin Laden und seine Kumpane zeigt, wie sie um ein Lagerfeuer sitzen, die Schnapsflaschen kreisen lassen und über ihre Eroberungen männlicher Jugendlicher resümieren, wie sich ein ehemaliger CIA-Beamter erinnerte und dabei schmunzeln musste. Für die Schauspieler wurden »einige von unseren Mitarbeitern mit dunklerer Hautfarbe ausgewählt.«

Letzten Endes »gerieten die Dinge ins Stocken«, so der andere ehemalige Beamte, man wurde sich nicht über die Projekte einig. Die Realität, so die ehemaligen Mitarbeiter, sah so aus, dass der Behörde nicht wirklich genügend finanzielle Mittel sowie die nötige Fachkompetenz für die Durchführung der Projekte zur Verfügung standen.

»Das Militär führte sie dann weiter«, sagte einer von ihnen, »sie investierten immense Summen in psychologische Kriegsführung, unten in Fort Bragg«, dem Institut für angewandte Kriegsführung.18