4. Kapitel: Das Verhalten des Präsidenten

Das neue Pearl Harbor - Band 1
Beunruhigende Fragen zur Bush-Regierung und zum 11. September

Teil 1: Die Ereignisse des 11. September

4. Kapitel

Das Verhalten des Präsidenten

Beunruhigende Fragen zur offiziellen Darstellung entstanden nicht nur durch die vier Flugzeugabstürze am 11. September, sondern auch durch das Verhalten von Präsident Bush an diesem Tag. Obwohl die Kritiker mittlerweile unzählige Fragen zu seinem Verhalten aufgebracht haben, werde ich mich auf diejenigen Fragen konzentrieren, die am beunruhigendsten erscheinen.

Der Terminplan des Präsidenten sah an diesem Tag den Besuch einer Grundschule in Sarasota, Florida, vor, wo er für eine »Fotogelegenheit« Schülern beim Vorlesen zuhören sollte. Er traf kurz vor 9 Uhr in der Schule ein, also zu einem Zeitpunkt, zu dem man ihm – jedenfalls laut zumindest einer Version der offiziellen Darstellung – mitgeteilt hatte, daß ein Flugzeug in das World Trade Center geflogen war. Da man zu diesem Zeitpunkt bereits wußte, daß dieses Flugzeug und zwei weitere entführt worden waren, würde man annehmen, so weisen Kritiker darauf hin, daß dies auch der Präsident wüßte. Allan Wood und Paul Thompson skizzierten das Problem folgendermaßen:

Die ersten Medienberichte vom Einschlag von Flug 11 in das World Trade Center begannen gegen 8.48 Uhr, zwei Minuten nachdem der Einschlag passierte. CNN unterbrach zu dieser Zeit das reguläre Programm. … Daher wußten innerhalb von Minuten Millionen von dieser Begebenheit, Bush jedoch soll angeblich zehn weitere Minuten lang nichts davon gewußt haben.1

Kritiker können das nur schwer glauben.

Mitglieder des Reisetrosses des Präsidenten, einschließlich des Secret Service, argumentiert Barrie Zwicker, »verfügen über die beste Kommunikationsausrüstung der Welt.« Dementsprechend sollten, so Zwicker, innerhalb einer Minute nach dem ersten Flugzeugeinschlag in das WTC der Secret Service sowie der Präsident davon gewußt haben.2 Tatsächlich ließ, wie Thompson betonte, offensichtlich Vizepräsident Cheney die Katze aus dem Sack. Während eines Interviews in der Sendung »Meet the Press« sagte Cheney: »Der Secret Service hat eine Vereinbarung mit der FAA. Sie hatten offene Leitungen, nachdem das World Trade Center …« und stoppte abrupt, fügte Thopson hinzu, ohne den Satz zu beenden.3 Somit wären die Mitarbeiter des Secret Service in der Fahrzeugkolonne des Präsidenten, einschließlich seines eigenen Wagens, über den ersten Angriff auf das WTC unterrichtet gewesen, bevor der Konvoi die Schule um 9 Uhr erreichte. Tatsächlich ist es sogar Teil der offiziellen Version, daß der Pressesprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, vom ersten Angriff auf der Fahrt erfuhr. Nachdem Thompson diesen Bericht zitierte, fügte er hinzu: »Es würde Sinn ergeben, daß man Bush unmittelbar und zur gleichen Zeit über den Einschlag unterrichtet, als andere davon erfahren. Doch Bush und andere behaupten, daß er nicht unterrichtet wurde, bis er in der Schule eintraf.« Damit fragt Thompson natürlich implizit: wenn Präsident Bush bereits vor der Ankunft in der Schule von dem Einschlag wußte, wieso behaupten er und weitere Personen etwas anderes?

Die unbeabsichtigte Preisgabe des Vizepräsidenten bezüglich der offenen Leitungen zwischen dem Secret Service und der FAA bereitet, wie Kritiker betonen, einem anderen Teil der offiziellen Darstellung eine noch weitaus größere Schwierigkeit. Berichten zufolge bezog sich Präsident Bush, nachdem er von dem Einschlag eines Flugzeuges in das WTC erfahren hatte, auf den Vorfall als einen »schrecklichen Unfall«.4 Zwickers vollständige Äußerung, die weiter oben nur teilweise zusammengefaßt wurde, enthält allerdings das Argument, daß zu diesem Zeitpunkt sowohl der Secret Service als auch der Präsident gewußt hätten, daß mehrere Flugzeuge entführt worden waren. Wie konnte Präsident Bush somit angenommen haben, der erste Einschlag in das WTC wäre ein Unfall gewesen? Thompson äußert die beunruhigende Frage, die durch diesen Bericht hervorgerufen wird: »Veranstalten Bush und seine Stabsmitarbeiter eine Farce um vorzutäuschen, er wüßte nicht, daß eine nationale Notlage existiert? Falls ja, warum?«5

Jedenfalls wurde der Präsident danach Berichten zufolge durch Condoleeza Rice, seine nationale Sicherheitsberaterin, telefonisch auf den neuesten Stand gebracht, die wahrscheinlich sichergestellt hätte, daß er nicht nur von sämtlichen Entführungen wußte, sondern auch, daß George Tenet, der Direktor der CIA, bereits geschlußfolgert hatte, daß die Entführungen von Osama bin Laden organisiert wurden, um Terroranschläge zu verüben.6 Doch der Präsident teilte der Schulleiterin mit, daß »ein Verkehrsflugzeug das World Trade Center getroffen hat und wir weiter machen … die Lese-Sache trotzdem machen.«7

Kritiker halten das für unglaubwürdig. Wenn die Entführungen – wie behauptet –unvorhergesehene Ereignisse wären, bei denen ein entführtes Flugzeug bereits seine terroristische Mission erfüllt hatte, wäre das Land bereits vom schlimmsten Terroranschlag in seiner Geschichte in Mitleidenschaft gezogen worden. Und doch hält der Oberbefehlshaber statt sicherzustellen, daß das Militär bereit war, alle entführten Flugzeuge abzuschießen, an seinem geplanten Programm fest. Die Seltsamkeit dieses Verhaltens wird durch eine Zusammenfassung der Situation durch Wood und Thompson gut deutlich gemacht:

Etwa gegen 8.48 Uhr … wurden die ersten Bilder des brennenden World Trade Center live im Fernsehen übertragen. … Die Federal Aviation Administration (FAA), das North American Aerospace Defense Command (NORAD), das National Military Command Center, das Pentagon, das Weiße Haus, der Secret Service und das kanadische Strategic Command wußten zu diesem Zeitpunkt alle, daß drei Passagierflugzeuge entführt worden waren. Sie wußten, daß ein Flugzeug absichtlich in den Nordturm des World Trade Centers geflogen worden war; ein zweites Flugzeug war völlig vom Kurs abgekommen und steuerte ebenfalls Richtung Manhattan. … Warum also saß um 9.03 Uhr – fünfzehn Minuten, nachdem klar war, daß die Vereinigten Staaten von Terroristen angegriffen wurden – Präsident Bush in einem Klassenzimmer mit Zweitklässlern und beginnt einen zwanzigminütigen, zuvor geplanten Fototermin?8

Bushs Verhalten wird durch die Tatsache noch erstaunlicher, daß sein Secret Service hätte annehmen müssen, daß er eines der beabsichtigten Ziele war. Tatsächlich sagte ein Mitarbeiter des Secret Service, der im Fernsehen den Einschlag des zweiten Flugzeuges in das WTC sah, laut Berichten: »Wir hauen von hier ab.«9 Doch wenn einer der Agenten dies tatsächlich gesagt hat, so wurde er offensichtlich überstimmt. Im Gegensatz dazu wurden Cheney und Rice Berichten zufolge zur gleichen Zeit eilig zu Bunkern unter dem Weißen Haus gebracht.10 Und doch, so kommentierte die Globe and Mail, »entfernten Secret Service-Agenten aus irgendeinem Grund [Bush] nicht eilig.« »Warum passierte das mit Bush nicht zur gleichen Zeit?«, fragte Thompson. »Warum bringt der Secret Service Bush nicht von seinem bekannten Aufenthaltsort weg?«11 Der Grund für das ausdrückliche Stellen dieser Frage liegt, wie Wood und Thompson betonen, darin, daß »die Entführer ein Flugzeug auf den bekannt gemachten Aufenthaltsort von Bush hätten abstürzen lassen können und seine Sicherheitsmannschaft wäre völlig hilflos gewesen, das aufzuhalten.«12

Kritiker betonen, daß dieses offensichtlich unbekümmerte Verhalten nahezu eine Stunde andauerte. Dazu schrieb der Geheimdienstexperte James Bamford:

Unmittelbar nachdem ihm mitgeteilt wurde, daß das Land angegriffen wurde, schien der Oberbefehlshaber kein Interesse an weiteren Details zu haben. Er fragte niemals, ob es weitere Bedrohungen gäbe, woher die Angriffe kamen und wie das Land am besten vor weiteren Angriffen zu schützen wäre. … Stattdessen, inmitten eines modernen Pearl Harbor, kehrte er einfach zur vorliegenden Angelegenheit zurück: dem Fototermin des Tages.13

Zu diesem Fototermin gehörte, wie oben bereits ausgeführt, eine Lesestunde, bei der der Präsidenten zuhörte, wie Zweitklässler ein Buch über eine Ziege vorlesen. Nachdem Bush sich bereits einige Minuten im Klassenraum aufhielt, kam sein Stabschef Andrew Card herein und flüsterte ihm angeblich ins Ohr, um ihn über den zweiten Angriff zu informieren. Doch nach einer kurzen Pause ließ Bush die Lesevorführung fortsetzen. Zur Unterstreichung der Seltsamkeit dieses Verhaltens fügt Bamford folgende Überlegung hinzu:

Während Präsident Bush mit seine Lesestunde fortfuhr, wurde das Leben innerhalb der brennenden Türme des World Trade Center sogar noch verzweifelter. … Innerhalb von Minuten begannen Menschen zu springen, sie bevorzugten einen schnellen Tod statt lebendig zu verbrennen oder zu ersticken.14

Währenddessen hörte der Präsident den Schülern beim Lesen zu: »The-Pet-Goat. A-girl-got-a-pet-goat. But-the-goat-did-some-things-that-made-the-girl’s-dad-mad.« Nachdem Präsident Bush dem einige Minuten zugehört hatte, machte er einen Scherz: »Wirklich gute Leser, wow! Das müssen Sechstklässler sein!«15

Eine weitere Person, die den Kontrast zwischen dem Verhalten des Präsidenten und den Geschehnissen in New York als beunruhigend empfand, ist Lorie van Auken, deren Mann einer der Opfer der Anschläge auf die Türme war. Nachdem sie das Video von der Sitzung des Präsidenten mit den Kindern erhalten hatte, sah sie es wieder und wieder an und sagte später: »Ich konnte nicht aufhören mir anzusehen, wie der Präsident da saß und Zweitklässlern zuhörte, während mein Mann in einem Gebäude verbrannte.« In Hinblick darauf, daß der Präsident gerade von einem Berater informiert worden war, daß das Land angegriffen wurde, fragte sie sich, wie der Präsident einen Scherz machen konnte.16

Neben den Scherzen trödelte der Präsident herum und handelte überhaupt nicht wie ein Oberbefehlshaber, der für einen Notfall verantwortlich ist. Bill Sammon, der Korrespondent der Washington Times im Weißen Haus, schrieb in dem Buch mit dem Titel Fighting Back – ein Buch, das zu den meisten Themen die Position des Weißen Hauses präsentiert und den Präsidenten generell als äußerst sympathisch darstellt (17) – daß Bush »den Augenblick öffentlich ausdehnte.« Als die Unterrichtsstunde vorbei war, sagte Bush laut Sammons Darstellung:

Hui! Das sind ja großartige Leser. Sehr beeindruckend! Vielen Dank Euch allen, daß ihr mir Eure Lesefähigkeiten gezeigt habt. Ich wette, sie üben auch, oder? Lesen sie mehr, als sie fernsehen? Macht das jemand? [Hände gehen nach oben.] Mehr Lesen, als ihr fernseht? Oh, das ist großartig! Sehr gut. Üben ist sehr wichtig! Danke für die Einladung. Ich bin sehr beeindruckt.18

Bush sprach dann weiter und riet den Kindern, weiterhin die Schule zu besuchen und gute Staatsbürger zu werden. Bei der Antwort auf eine Frage sprach er über seine Bildungspolitik.19 Sammon beschrieb Bush als lächelnd und mit den Kindern plaudernd, »als wäre er völlig sorgenfrei« und »das in der entspanntesten Art und Weise, die man sich vorstellen kann.« Auf die Frage eines Reporters, ob der Präsident von dem, was in New York geschehen war, gehört habe, antwortete Bush: »Ich werde später darüber reden.« Dann, in Sammons Worten, »trat er vor und schüttelte die Hand [der Klassenlehrerin] Daniels, dabei legte er seinen linken Arm um sie, um für ein weiteres Foto zu posieren. Dabei nahm er sich viel Zeit, … er trödelte herum, bis die Presse gegangen war.« Sammon bezeichnete den Präsidenten sogar als den »Trödler vom Dienst«.20

Erstaunlicherweise veröffentlichte das Weiße Haus ein Jahr später – möglicherweise angestachelt von der Kritik am Verhalten des Präsidenten – eine andere Darstellung. Andrew Card, der Stabschef des Präsidenten, wurde so zitiert, daß er, nachdem er Bush über den zweiten Anschlag auf das World Trade Center informierte, Bush »sich sehr höflich bei der Lehrerin sowie den Schülern entschuldigte« und das Klassenzimmer »innerhalb weniger Sekunden« verließ.21 In einer alternativen Formulierung der neuen Geschichte sagte Card: »Nicht allzuviele Sekunden später entschuldigte sich der Präsident und verließ den Klassenraum.«22 Offenbar, so Kritiker, schien das Weiße Haus derart zuversichtlich zu sein, daß die Medien keine seiner Lügen über den 11. September in Frage stellen würden, so daß es sich beim Erzählen dieser Lüge sicher fühlte, obwohl sie in krassem Gegensatz zu Sammons Bush-freundlichen Buch sowie zu dem an diesem Tag aufgenommenen Video steht, das, wie Wood und Thompson es formulieren, »zeigt, daß diese Aussagen Lügen sind – es sei denn, ›innerhalb weniger Sekunden‹ bedeutet mehr als 700 Sekunden!«23

Doch nun zurück zu den tatsächlichen Ereignissen: Um 9.16 Uhr verließ der Präsident schließlich das Klassenzimmer, um sich zusammen mit seinen Beratern zu treffen, um sich Berichten zufolge auf seine Fernsehansprache an die Nation vorzubereiten, die er um 9.29 Uhr hielt. Thompson kommentierte: »Die Rede fand genau zu der Zeit und an dem Ort statt, der im öffentlichen Terminplan stand – was Bush zu einem potentiellen Ziel für Terroristen machte.«24 Und nicht nur Bush. Als Andrew Card und Karl Rove später gefragt wurden, warum der Präsident das Klassenzimmer nicht unverzüglich verlassen hatte, nachdem er vom zweiten Angriff erfahren hatte, war ihre Antwort, betonen Wood und Thompson, daß er die Kinder nicht beunruhigen wollte. Aber, fragten sie, » warum ging Bushs Sorge um die Kinder nicht so weit, sie und etwa zweihundert Personen in der Schule nicht zu einem Ziel für Terroristen werden zu lassen?«25 Könnte die Antwort darin liegen, daß Bush wußte, daß es in Wahrheit gar keine Gefahr gab?

Jedenfalls fuhren der Präsident und seine Leute dann mit der für diesen Zweck vorgesehenen Fahrzeugkolonne auf der geplanten Route zum Flughafen, währenddessen sie angeblich erfuhren, daß das Pentagon getroffen worden war und ebenfalls hörten, daß das Flugzeug des Präsidenten, die Air Force One, ein Ziel der Terroristen war. Dennoch wurde keine militärische Eskorte angefordert. Dazu Thompson: »Erstaunlicherweise startete sein Flugzeug, ohne von Kampfflugzeugen geschützt zu werden.«26 Angesichts der Tatsache, daß sich zu diesem Zeitpunkt immer noch mehr als 3000 Flugzeuge im Luftraum der Vereinigten Staaten befanden und man daher unmöglich sagen konnte, wieviele davon entführt waren, erscheint dies besonders überraschend. Zum Beispiel, berichtete Thompson, hatte die FAA etwa eine Stunde später mitgeteilt, es gäbe sechs vermisste Flugzeuge (eine Zahl, die Cheney später erwähnte) – zur gleichen Zeit wurden sogar elf entführte Flugzeuge vermutet.27 Darüber hinaus hatte der Secret Service laut Karl Rove von »einer konkreten Bedrohung für die Air Force One« erfahren.28 Warum also wurden von keiner der beiden nahegelegenen Militärbasen, deren Kampfflugzeuge sich 24 Stunden in Alarmbereitschaft befinden, Kampfflieger angefordert?29

Angesichts der ersichtlichen Umstände blieb das seltsame Verhalten des Präsidenten jedoch von den Angehörigen der Opfer der Anschläge nicht unbemerkt. So sagte beispielsweise Kristen Breitweiser, die mit ihrer Frage, wie ein Flugzeug das Pentagon treffen konnte, bereits zitiert wurde:

Es war klar, daß wir angegriffen wurden. Warum hat ihn der Secret Service nicht schnellstens aus der Schule gebracht? Er war live im Lokalfernsehen in Florida zu sehen. Die Terroristen, wissen Sie, waren in Florida gewesen. … Ich will wissen, warum er 25 Minuten lang da saß.30

Zu dieser Zeit widmete sich die Aufmerksamkeit vor allem der Tatsache, daß sich Präsident Bush, nachdem die Air Force One um 9.55 Uhr in der Luft war, lange von Washington fern hielt, möglicherweise aus Angst wie einige Kommentatoren spekulierten. Einige Journalisten, die den Präsidenten deswegen kritisierten, verloren tatsächlich ihren Arbeitsplatz (31) – was der Grund dafür sein könnte, warum das Weiße Haus darauf vertrauen konnte, daß die Nachrichtenmedien keine seiner Falschdarstellungen in Frage stellen würden. Nach Ansicht von Kritikern besteht die eigentliche Frage jedenfalls darin, warum es dem Anschein nach während der ersten Stunde keinerlei Sorge gab. Diese implizite Frage ist sicherlich eine beunruhigende: Wußten der Präsident und zumindest der Leiter seines Secret Service genau Bescheid, daß er kein Ziel war?

Die Vorstellung, daß die Bush-Regierung Vorwissen zu den Anschlägen besaß, erhält zusätzliche Nahrung durch eine spätere Aussage von Bushs selbst: »Ich saß außerhalb des Klassenzimmers und wartete darauf hineinzugehen«, behauptete er, »und ich sah, wie ein Flugzeug den Turm traf – der Fernseher war offensichtlich an, und ich bin [früher] selber geflogen und sagte: ›Ein schrecklicher Pilot!‹«32 Angesichts der Tatsache, daß laut der offiziellen Version Bush mindestens die ersten 15 Minuten keinen Zugang zu einem Fernsehgerät hatte,33 wirft diese Äußerung Fragen auf. In einem Artikel im Boston Herald hieß es:

Denken Sie darüber nach. Bushs Bemerkung impliziert, daß er sah, wie das erste Flugzeug den Turm traf. Aber wir wissen alle, daß das Video des ersten Flugzeugs, das den Turm traf, nicht vor dem nächsten Tag auftauchte. Konnte Bush gemeint haben, er sah den Einschlag des zweiten Flugzeuges – von dem viele Amerikaner Zeugen wurden? Nein, weil er sagte, daß er im Klassenzimmer war, als Card ihm ins Ohr flüsterte, daß ein zweites Flugzeug eingeschlagen ist.

Der Autor wies darauf hin, daß Bush diese Geschichte mehrfach erzählt hatte, und fragte: »Wie konnte der Oberbefehlshaber gesehen haben, wie das Flugzeug in das erste Gebäude flog – während es passierte?«34

Dies ist eine ausgezeichnete Frage, aber einfach nur eine der vielen ausgezeichneten Fragen, die von einzelnen Journalisten gestellt wurden, dann jedoch vom Rest der Nachrichtenmedien ignoriert wurden. Sie haben nicht auf eine Antwort gedrängt.

Thierry Meyssan hat dennoch eine mögliche Antwort vorgeschlagen: Er verwies darauf, daß, »nach seiner eigenen Erklärung der Präsident der Vereinigten Staaten Bilder von dem ersten Einschlag gesehen hatte, bevor der zweite stattfand«, und betonte die Tatsache, daß die von Bush angeblich gesehenen Bilder nicht »die zufällig von den französischen Dokumentarfilmern Jules und Gédéon Naudet aufgenommenen« sein können, weil »ihr Video frühestens dreizehn Stunden später veröffentlicht wurde.« Daher konnte Bush am Morgen des 11. September nicht die Bilder des ersten Einschlags gesehen haben, die uns immer und immer wieder gezeigt wurden. Meyssan deutete daher an, die Aufnahmen müßten

geheime Bilder gewesen sein, die für ihn verzögerungsfrei in den sicheren Kommunikationsraum übertragen wurden, der für seinen Besuch in der Grundschule vorbereitet worden war. Aber wenn die US-Geheimdienste den ersten Angriff filmen konnten, bedeutet dies, daß sie bereits zuvor informiert waren.35

Meyssans Vermutung lautet daher mit anderen Worten, daß der Präsident, obwohl er nicht sah, wie das erste Flugzeug in den Turm flog, »während es passierte«, er es, wie er behauptete, sah, bevor er den Klassenraum betrat.

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Zusammengefaßt, stärkt laut Kritikern der offiziellen Darstellung das Verhalten von Präsident Bush am 11. September – ableitbar aus dem Schicksal der vier abgestürzten Flugzeuge – die Schlußfolgerung, daß die Regierung und Militärs auf höchster Ebene Vorwissen besaßen und sich verschworen hatten, um die traumatischen Ereignisse dieses Tages zu ermöglichen.36 Betrachtet man zusätzlich unsere Liste der möglichen Ansichten, scheint die kritische Analyse des Verhaltens des Präsidenten die ersten fünf Möglichkeiten, nach denen das Weiße Haus keinerlei Anschläge erwartete, auszusortieren. Bushs Verhalten wie auch das des Secret Service implizieren daher zumindest die sechste Ansicht, der zufolge das Weiße Haus eine Art von Anschlägen erwartet hatte. Akzeptieren wir darüber hinaus Meyssans Vermutung bezüglich Bushs Aussage, er habe den ersten WTC-Einschlag vor Betreten des Klassenzimmers im Fernsehen gesehen, muß auch die siebte Ansicht – laut der das Weiße Haus Vorwissen der Ziele und des Zeitablaufs der Anschläge hatte – nahegelegt werden. Diese Ansicht wird durch Anzeichen nahegelegt, daß Präsident Bush und der Secret Service zu wissen schienen, daß sie kein Ziel des Anschlages sein würden.

Für die Kritiker der offiziellen Darstellung gewinnt diese Schlußfolgerung hinsichtlich einer Art offizieller Tatbeteiligung von Regierung und Militär sogar noch mehr Gewicht, wenn die Ereignisse des 11. September mithilfe von Informationen mit relevanten Ereignissen sowohl vor als auch nach dem 11. September im größeren Zusammenhang betrachtet werden. Der zweite Teil dieses Buches widmet sich diesem größeren Zusammenhang.

© David Ray Griffin
Oliver Bommer (deutsche Übersetzung)