6. Kapitel: Behinderten US-Beamte Untersuchungen vor dem 11. September?

Das neue Pearl Harbor - Band 1
Beunruhigende Fragen zur Bush-Regierung und zum 11. September

Teil 2: Die größeren Zusammenhänge

6. Kapitel

Behinderten US-Beamte Untersuchungen vor dem 11. September?

Als Informationen zu einigen der im vorigen Kapitel erörterten Warnungen durchsickerten, spielten US-Beamte die Bedeutung dieser Warnungen durch die Behauptung herunter, daß immer derart viele Geheimdienst-Informationen hereinkommen, daß es oft schwierig ist, die wichtigen Informationen vom »Hintergrundrauschen« zu unterscheiden, also von all den Berichten, die sich als falsch oder unbedeutend herausstellen. Nach einer Katastrophe wie dem 11. September, so behaupten sie, ist es unfair, die wenigen Informationsstückchen, die damit zusammenhängen, herauszugreifen und auf der Basis des kompletten nachträglichen Wissens zu behaupten, die Beamten hätten in der Lage sein müssen, »sich das richtige Bild zu machen.« Selbst wenn dieses Argument zu Recht verwendet werden könnte, um die im vorherigen Kapitel erwähnten Warnungen herunterzuspielen – wenden die Kritiker ein (wobei sie behaupten, daß dies nicht möglich ist) – würde dies deutlich auf die Tasche einer offiziellen Tatbeteiligung hinweisen, falls es Beweise dafür gibt, daß Regierungsbehörden absichtlich Untersuchungen zu al-Qaida und mit ihr verbundenen Einzelpersonen verhindert hätten. Und Kritiker behaupten, daß solche Beweise tatsächlich existieren.

Die Anti-Jagd auf Osama bin Laden und al-Qaida

Einer der wichtigsten Gründe, die offizielle Geschichte des 11. September anzuzweifeln, sind nach Ansicht von Kritikern Beweise dafür, daß die US-Regierung weit davon entfernt war, alles zu tun, um bin Laden zu töten oder gefangen zu nehmen, und dies wiederholt versäumte, selbst als sie die Möglichkeit dazu hatte. Ich werde einige Begebenheiten zusammenfassen, die Ahmed und Thompson ermittelt haben.

Im Dezember 1998 gab CIA-Direktor George Tenet Berichten zufolge ein Memorandum innerhalb der Geheimdienstkreise mit dem Wortlaut »Wir befinden uns im Krieg« herum und fügte hinzu: »Ich will keine Ressourcen oder Leute bei diesen Mühen scheuen, sowohl innerhalb der CIA oder auch der [umfangreichen Geheimdienst-]Kreise.« Allerdings sollte die Joint Inquiry des Kongresses später erfahren, daß es keine wesentlichen Veränderungen beim Haushalt oder Personal gab und daß nur wenige FBI-Agenten je von dieser Erklärung gehört hatten.1

Am 20. Dezember 2000 reichte Richard Clarke, ein Anti-Terror-Experte, einen Plan ein, um al-Qaida als Reaktion auf den Bombenanschlag auf die USS Cole (welcher im Oktober 2000 stattfand) »zurückdrängen«. Die Hauptkomponente von Clarkes Plan war ein drastischer Anstieg der verdeckten Aktion in Afghanistan, um bin Ladens »Rückzugsgebiet zu eliminieren.« Die Clinton-Regierung reichte den Plan an die Bush-Regierung mit der Begründung weiter, sie würde in wenigen Wochen die Regierung übernehmen. Im Januar lehnte die Bush-Regierung jedoch den Plan ab und ergriff keine Maßnahmen.2

Laut einem Bericht von ABC News reiste Julie Sirrs, eine Agentin der Defense Intelligence Agency (DIA), 2001 zweimal nach Afghanistan. Auf ihrer ersten Reise traf sie sich mit dem Führer der Nordallianz Ahmad Masood.3 Auf ihrer zweiten Reise kehrte sie damit nach Hause zurück, was sie später als »eine Schatzkiste von Informationen« bezeichnete, einschließlich Beweisen, daß bin Laden plane, Masood zu ermorden (der tatsächlich am 9. September ermordet wurde, wie im 8. Kapitel erörtert wird). Allerdings wurde Julie Sirrs am Flughafen von einem Sicherheitsbeamten empfangen, der ihr Material beschlagnahmte, woraufhin die DIA und das FBI gegen sie ermittelte. Dennoch, sagte sie, wollte kein höherer Geheimdienstbeamte hören, was sie in Afghanistan erfahren hatte. Schließlich wurde ihre Sicherheitsfreigabe zurückgezogen und sie kündigte bei der DIA.4

Im März 2001 legte Rußlands Ständige Vertretung bei den Vereinten Nationen dem UN-Sicherheitsrat im Geheimen »einen beispiellos detaillierten Bericht« über bin Laden und seine Aufenthaltsorte vor, einschließlich »einer Auflistung aller Basen bin Ladens, seiner Regierungskontakte und ausländischen Berater« – nach Aussage der Russen genügend Informationen, um ihn zu töten. Doch die Bush-Regierung ergriff keine Maßnahmen. Alex Standish, der Herausgeber von Jane's Intelligence Review, zog später den Schluß, daß die Anschläge des 11. September kein Versagen der Geheimdienste waren, sondern das Ergebnis »einer politischen Entscheidung, nicht gegen bin Laden vorzugehen.«5

Noch im Sommer 2001 war Osama bin Laden Amerikas »meistgesuchter« Verbrecher, auf den ein Kopfgeld in Höhe von 5.000.000 Dollar ausgesetzt war, und den die US-Regierung angeblich versucht hatte zu töten. Und doch verbrachte bin Laden nach Angaben mehrerer der angesehensten europäischen Nachrichtenquellen im Juli zwei Wochen im amerikanischen Krankenhaus von Dubai (in den Vereinigten Arabischen Emiraten). Er wurde nicht nur von einem amerikanischen Chirurgen, Dr. Terry Callaway, behandelt, sondern Berichten zufolge auch vom Leiter des saudischen Geheimdienstes und am 12. Juli vom örtlichen CIA-Agenten, Larry Mitchell besucht. Obwohl diese Meldungen von der CIA, dem Krankenhaus und bin Laden selbst abgestritten wurden, verweigerte Dr. Callaway laut Berichten einfach jeglichen Kommentar, und die Nachrichtenagenturen blieben bei ihrer Geschichte.6

Über »die explosive Story«, kommentierte Thompson, wurde »in Europa umfassend berichtet, doch in den USA fast gar nicht.«7 Nachdem die Geschichte im November bekannt wurde, zitierte Chossudovsky Verteidigungsminister Rumsfelds Kommentar, daß das Auffinden von bin Laden wie »die Suche nach der Nadel im Heuhaufen« sei, und sagte weiter: »Doch die USA hätten seine Verhaftung und Auslieferung im vergangenen Juli in Dubai anordnen können. Aber dann hätten sie keinen Vorwand für einen Krieg gehabt.«8

Verdeckte Verbindungen zwischen Bush, bin Laden und dem saudischen Königshaus

Eine der beunruhigenden Fragen, die Kritiker der offiziellen Darstellung stellen, ist, ob die aktuellen Beziehungen zwischen der Bush-Regierung, Osama bin Laden und dem saudischen Königshaus nicht doch eher anders geartet sind als die öffentliche Darstellung dieser Beziehungen. Es gibt mehrere Gründe für diesen Verdacht. Erstens hatte die Familie bin Laden – eine der reichsten und einflußreichsten Familien Saudi-Arabiens – und die Bush-Familie seit über 20 Jahren Geschäftsbeziehungen.9 Zweitens: obwohl Osama bin Laden als das schwarze Schaf der Familie dargestellt worden war, mit dem aufgrund seiner terroristischen Aktivitäten niemand etwas zu tun haben wollte – so daß die »guten bin Ladens« radikal vom »schlechten bin Laden« unterschieden werden können – gibt es zahlreiche Beweise, daß Osamas enge Beziehungen zu seiner Familie weiterbestanden.10 Drittens gibt es Beweise, daß Osama bin Laden weiterhin verdeckte Hilfen vom engen amerikanischen Verbündeten Saudi-Arabien erhielt.11 Ein vierter Grund für diesen Verdacht ist der Bericht, daß die US-Regierung in Zusammenarbeit mit der saudischen Regierung unmittelbar nach dem 11. September vielen Mitgliedern der Familie bin Laden dabei half, die Vereinigten Staaten zu verlassen. Sie erlaubte deren Flugzeugen sogar zu fliegen, noch bevor das nationale Flugverbot aufgehoben worden war.12 Ein fünfter Grund für den Verdacht ist die Tatsache, daß die Regierung, als der Abschlußbericht der Joint Inquiry des Geheimdienstausschusses des Repräsentantenhauses und Senats zum 11. September schließlich im Jahre 2003 veröffentlicht wurde, darauf bestand, etwa 28 Seiten zu sperren, die Berichten zufolge in erster Linie Saudi-Arabien behandelten. Schließlich gibt es die simple Tatsache, daß die meisten der angeblichen Entführer aus Saudi-Arabien stammten.

Diese Verdachtsmomente werden ferner durch Berichte von glaubwürdigen Zeugen über die Fortsetzung der Beziehungen zwischen der saudischen Regierung, Osama bin Laden und al-Qaida gestützt.

Am 22. August 2001 kündigte der Anti-Terror-Experte John O'Neill – der »der engagierteste Jäger von Osama bin Laden und seinem al-Qaida-Netzwerk von Terroristen« der US-Regierung gewesen sein soll – beim FBI unter Berufung auf die wiederholten Behinderungen seiner al-Qaida-Ermittlungen.13 Im Juli 2001 beschwerte sich O'Neill, der eine der höchsten FBI-Positionen innehatte, Berichten zufolge über Behinderungen durch das Weiße Haus und sagte, daß die Haupthindernisse für die al-Qaida-Untersuchung »Interessen der US-Öl-Unternehmen und die Rolle Saudi-Arabiens« seien. Er fügte dann hinzu: »Alle Antworten, alles, um Osama bin Ladens Organisation zu zerstören, können in Saudi-Arabien gefunden werden.«14 O'Neills Einschätzung wurde laut Ahmed von Tariq Ali bekräftigt: »Bin Laden und seine Bande sind lediglich die Tentakeln [der wahabitischen Krake], der Kopf liegt sicher in Saudi-Arabien, geschützt durch US-Truppen.«15

Die Ansicht, daß sich jede ernsthafte Untersuchung auf Saudi-Arabien konzentrieren müsse, wurde interessanterweise in jüngerer Zeit von Gerald Posner geteilt, also von einem Autor, der in den meisten Punkten die offizielle Version des 11. September unterstützt.16 Auf Grundlage von Informationen, die zwei Quellen in der US-Regierung anonym, aber unabhängig voneinander bereitstellten, berichtet Posner über das amerikanische Verhör des saudischen Staatsbürgers Abu Zubaydah, einer der Spitzenleute von al-Qaida, der gegen Ende März 2002 in Pakistan gefangen genommen worden war. Das Verhör wurde unter Zuhilfenahme des Wahrheitsserums Thiopental (Pentothal) von zwei Amerikanern mit arabischen Wurzeln durchgeführt, die vorgaben, Saudis zu sein. Erleichtert, sich in Gegenwart von Männern zu befinden, von denen er glaubte, daß es sich um Landsleute handelte, wurde Zubaydah sehr gesprächig.17

In der Hoffnung, sich selbst zu retten, behauptete Zubaydah, daß er als Mitglied von al-Qaida im Namen saudischer Beamter gehandelt hatte. Er ermutigte seine Fragensteller, Bestätigungen für seine Behauptungen einzuholen, und rief sie dazu auf, einen von König Fahds Neffen, Prinz Ahmed bin Salman bin Abdul-Aziz (Vorsitzender eines riesigen Verlagsimperiums und Gründer der Thoroughbred Corporation, aus deren Stall »War Emblem« kam, ein Sieger des Kentucky Derbys, dem ältesten US-Pferderennen) anzurufen. Zubaydah konnte ihnen sogar die Telefonnummern von Prinz Ahmed auswendig nennen. Als seine Vernehmungsbeamten sagten, daß der 11. September sicherlich alles verändert hätte, so daß Prinz Ahmed al-Qaida nicht länger unterstützen würde, sagte ihnen Zubaydah, dies hätte nichts geändert, weil Prinz Ahmed im voraus gewußt hätte, daß Amerika am 11. September angegriffen würde. Zubaydah nannte auch aus dem Gedächtnis die Telefonnummern von zwei weiteren Verwandten Königs Fahds, die seine Behauptungen bestätigen könnten: Prinz Sultan bin Faisal bin Turki al-Saud und Prinz Fahd bin Turki ibn Saud al-Kabir.

Weniger als vier Monate später gab es Ereignisse, die für Posner daraufhin wiesen, daß Zubaydahs Aussagen wahr sein könnten. Innerhalb einer Zeitspanne von acht Tagen starben alle drei genannten Saudis. Am 22. Juli starb Prinz Ahmed im Alter von 43 Jahren Berichten zufolge an einem Herzinfarkt. Am nächsten Tag starb Prinz Sultan bin Faisal laut Berichten im Alter von 41 Jahren bei einem Autounfall, an dem nur sein Auto beteiligt war. Eine Woche später »verdurstete« Prinz Fahd bin Turki im Alter von 21 Jahren.18

Zubaydah sagte auch, er habe an mehreren Treffen zwischen Osama bin Laden und Prinz Turki bin Faisal, dem Chef des saudischen Geheimdienstes teilgenommen, darunter einem Treffen im Jahre 1998 in Kandahar, bei dem Prinz Turki versprach, daß die Saudis weiterhin die Taliban unterstützen würden und nicht Osamas Auslieferung verlangen würden, solange al-Qaida das Versprechen hielte, das saudische Königreich nicht anzugreifen. Aber Prinz Turki – der als Chef des saudischen Geheimdienstes zehn Tage vor dem 11. September entlassen und danach saudischer Botschafter in Großbritannien wurde – überlebte die Zeugnisaussage, die über ihn gemacht wurde.19

In jedem Fall weisen die Darstellungen dieser Verbindungen zwischen dem saudischen Königshaus, Osama bin Laden und al-Qaida darauf hin, daß das Versagen der Amerikaner, bin Laden zu fassen, mit den engen Beziehungen zwischen der saudischen Königsfamilie, der Familie bin Laden und der Bush-Regierung zusammenhängen könnte. Laut einem Bericht der Investigativ-Reporter Gregory Palast und David Pallister beklagten sich US-Geheimdienstmitarbeiter seit langem, sie seien »aus politischen Gründen an der Durchführung vollständiger Ermittlungen gegen Mitglieder der Familie bin Laden gehindert worden«, und sagten, daß nach dem Amtsantritt der Bush-Regierung die Dinge noch schlimmer wurden. Sie berichteten außerdem, daß man ihnen »gesagt hatte‚ sich bei Untersuchungen gegen weitere Mitgliedern der bin Laden-Familie [und] der saudischen Königsfamilie ›zurückzuhalten‹.«20 Palast führte diesen Punkt in einem Interview weiter aus: »Wir hatten ohne Frage etwas, das wie das größte Versagen der Geheimdienste seit Pearl Harbor aussah, aber wie wir jetzt erfuhren, war es kein Fehler, es war eine Anordnung.«21 Diese Schlußfolgerung wird durch die Worte eines amerikanischen Geheimdienstmitarbeiters gestützt: »Es gab bestimmte Untersuchungen [zur bin Laden-Familie], die erfolgreich verhindert wurden.«22

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Es waren jedoch nicht nur bin Laden und seine Familie, zu denen gemäß Berichten Untersuchungen abgewürgt wurden. Ahmed und Thompson verweisen auf mehrere Fälle, bei denen die Untersuchungen anderer vielversprechender Fährten offenbar entweder verhindert oder gar nicht erst eingeleitet wurden. Diese Fälle sind besonders relevant für die Schlußfolgerung der Joint Inquiry, daß die Anschläge des 11. September durch Geheimdienstfehler zu Stande kamen, die zwar bedauerlich aber verständlich waren. Trotz des Hinweises, daß die Geheimdienste mehr Warnungen erhalten hatten, als sie zugaben, nahm die Joint Inquiry sie zum Teil mit den Worten aus der Verantwortung, daß sie zwar einige wichtige Hinweise übersehen hatten, aber »es sind diese Art von Fehlern, die passieren, wenn Leute ... einfach überfordert sind.«23 Bei einigen der folgenden Fälle waren Agenten im aktiven Einsatz offenbar weniger überfordert, als vielmehr überstimmt worden.

Das FBI in Phoenix wird ignoriert

Am 10. Juli 2001 sandte FBI-Agent Ken Williams aus Phoenix das heutzutage sehr bekannte Memorandum an die Anti-Terror-Abteilung des FBI-Hauptquartiers, das vor verdächtigen Aktivitäten einer Gruppe von Männern aus dem Nahen Osten warnte, die Flugstunden nahmen. Williams hatte im Jahre 2000 mit den Ermittlungen gegen sie begonnen, doch Anfang 2001 wurde er stattdessen auf einen Brandstiftungsfall angesetzt. Ein pensionierter Agent in Phoenix fragte FBI-Direktor Mueller nach dem 11. September daraufhin: »Warum nehmen Sie Ihren besten Terrorismus-Ermittler und befassen ihn mit einer Brandstiftung?« Williams war erst einen Monat wieder am Flugschulen-Fall, als er sein Memorandum schrieb. Er vermutete, daß Gefolgsleute von bin Laden Flugstunden für terroristische Zwecke nehmen könnten und empfahl ein nationales Programm zur Überwachung verdächtiger Flugschüler. Das FBI-Hauptquartier richtete jedoch kein solches Programm ein.24

Behinderung des FBI in Minneapolis

Mitte August 2001 rief das Personal einer Flugschule in Minneapolis das örtliche FBI an, um über ihren Verdacht zu berichten, Zacarias Moussaoui, der für das Training an einem Boeing-747-Flugsimulator bezahlt hatte, plane, eine echte 747 »als Waffe zu benutzen.«25 Nachdem die FBI-Agenten aus Minneapolis Moussaoui verhafteten und viele verdächtige Umstände herausfanden, fragten sie das FBI-Hauptquartier nach der Befugnis, seinen Laptop und andere Besitztümer durchsuchen zu dürfen. Doch obwohl das FBI-Hauptquartier aus Frankreich weitere Informationen über Moussaoui erhalten hatte – die laut französischen Beamten eindeutig zeigten, daß er eine Bedrohung darstellte (26) – sagten hohe FBI-Beamte, die Informationen »seien zu vage, um einen Durchsuchungsbefehl für seinen Rechner zu rechtfertigen.«27 Dabei waren die Minneapolis-Agenten, die den französischen Geheimdienstbericht gesehen hatten, wie »im Rausch«, wobei einer von ihnen spekulierte, Moussaoui könnte »etwas in das World Trade Center fliegen.«28 Die Agenten aus Minneapolis wollten »dringend den Laptop durchsuchen« und stellten einen Antrag an das FBI-Hauptquartier auf einen Durchsuchungsbefehl unter dem Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA, Gesetz zur Überwachung ausländischer Geheimdienste), von dem sie sicher waren, ihn zu erhalten, da deren Beamte in der Vergangenheit nahezu alle Anträge genehmigt hatten.29

Doch das FBI-Hauptquartier leitete die Anfrage an die Einheit für Radikale Fundamentalisten (RFU) weiter. Einer dieser Agenten kritisierte den FBI-Vorgesetzten in Minneapolis, weil er die Leute wegen Moussaoui »verrückt machte«, aber ohne diesem Vorgesetzten von Ken Williams' Memorandum aus Phoenix zu erzählen, das der Leiter der RFU erhalten hatte.30 Der Antrag aus Minneapolis wurde dann an den RFU-Agenten Marion »Spike« (Stachel) Bowman weitergeleitet, der seinem Spitznamen alle Ehre machte, indem er mit dem Beseitigen von Beweisen fortfuhr, laut denen Moussaoui über eine Rebellengruppe in Tschetschenien mit al-Qaida in Verbindung stand. Danach behauptete der stellvertretende leitende FBI-Justiziar auf der Grundlage der überarbeiteten Anfrage, es gäbe keine ausreichende Verbindung zu al-Qaida für einen Durchsuchungsbefehl und leitete das Ersuchen nicht einmal an die FISA-Stelle weiter.31 Coleen Rowley, leitende Beraterin in Rechtsangelegenheiten des FBI in Minneapolis, stellte folgende Frage: »Warum sollte ein FBI-Agent absichtlich den Fall sabotieren?« Andere Agenten im Minneapolis-Büro scherzten, daß diejenigen in der Zentrale, die den Antrag blockierten, »Spione oder Maulwürfe sein müßten, ... die für Osama bin Laden arbeiten.« Ein Agent kam zu dem Schluß, daß das FBI-Hauptquartier »dies [die Ermittlungen] zum Scheitern brachte.«32

Es ist interessant, diese Darstellung des Geschehens mit den »Ergebnissen« der Joint Inquiry in der Zusammenfassung des Abschlußberichts zu vergleichen, nachdem »das Personal im FBI-Hauptquartier, einschließlich der Einheit für radikale Fundamentalisten, der FBI-Einheit für nationale Sicherheitsgesetze, sowie Agenten der Außenstelle Minneapolis die rechtlichen Standards für den Erhalt eines FISA-Auftrags mißverstanden hatten« und »die Auffassung vertraten ... der FISA-Prozeß sei langwierig und voller Gefahren.« Laut diesen Ergebnissen gab es keine Sabotage, sondern lediglich überall Mißverständnisse, sogar in Minneapolis. Angesichts der Tatsache, daß dieser Bericht viele Monate, nachdem Coleen Rowleys wütendes Memorandum, das weiter unten besprochen wird, Teil der öffentlich verfügbaren Akten wurde, ist es rätselhaft, wie die Joint Inquiry davon ausgehen konnte, die Agenten in Minneapolis wären verwirrt gewesen.

Auf alle Fälle konnten die FBI-Agenten aus Minneapolis Moussaouis Computer und andere persönliche Gegenstände erst nach den Anschlägen des 11. September untersuchen.33 Nach dieser Überprüfung sagte der damalige stellvertretende Direktor des FBI, der Computer enthielt »nichts bedeutendes ... in Bezug auf den 11. September«, doch die Washington Post zitierte Ermittler des Kongresses mit den Worten, »die Beweise, die sich im ungeprüften Besitz Zacarias Moussaouis befanden, waren sogar noch wertvoller, als bisher angenommen«, weil sie ihn »mit der zentralen Entführerzelle in Hamburg in Verbindung bringen« und »mit einem al-Qaida-Mitglied in Malaysia, dessen Aktivitäten durch die CIA überwacht« wurden.34 Die New York Times kommt zu dem Schluß, daß der Moussaoui-Fall »neue Fragen dazu aufwarf, warum das Federal Bureau of Investigation und andere Behörden die Entführungen nicht verhinderten.«35

Drei Tage nach dem 11. September machte FBI-Direktor Mueller, der erst kurz zuvor in diese Position berufen wurde, seine bereits zitierte Aussage: »Es gab keine Warnzeichen, derer ich mir bewußt bin, die auf diese Art von Operation im Land hinweisen würden.« Coleen Rowley und andere Agenten aus Minneapolis versuchten, sein Büro zu erreichen, um ihn auf den Moussaoui-Fall aufmerksam zu machen, so daß seine »öffentlichen Erklärungen entsprechend geändert werden könnten«, doch Mueller machte weiterhin ähnliche Kommentare, einschließlich seiner Zeugenaussage bei einer Senatsanhörung am 8. Mai 2002, daß »es nichts gab, was die Behörde hätte tun können, um die Angriffe vorherzusehen oder zu verhindern.«36 Laut Berichten über die Anhörung mußte Mueller schließlich jedoch zugeben, daß einen Monat vor dem 11. September ein FBI-Agent »bei einem Treffen auf hoher Ebene spekuliert hatte, Moussaoui könnte Unterricht nehmen, um ihn in die Lage zu versetzen, ein Flugzeug in das World Trade Center in New York zu stürzen.«37 Zwei Wochen später veröffentlichte Rowley ein langes Memorandum, das sie zur Handhabung des Moussaoui-Falls durch das FBI geschrieben hatte. Das Time-Magazin nannte es »eine kolossale Anklage der Verletzung der Sorgfaltspflicht unserer höchsten Strafverfolgungsbehörde.«38 Nach der Veröffentlichung dieses Memorandums änderte Mueller seine öffentliche Haltung geringfügig: »Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, daß es nicht die Möglichkeit gab, daß wir auf einige Fährten gestoßen sein könnten, die uns zu den Entführern geführt hätten.«39

Behinderung des FBI in Chicago

1998 hatte FBI-Agent Robert Wright die Verfolgung einer terroristischen Zelle in Chicago aufgenommen, da er vermutete, daß das Geld für die Bombenanschläge von 1998 auf die US-Botschaften von einem saudischen Multimillionär stammte, der in Chicago lebte. Im Januar 2001 wurde ihm trotz seiner Überzeugung, die Beweislage würde immer deutlicher, mitgeteilt, daß der Fall geschlossen würde. Im Juni schrieb er ein internes Memorandum, in dem er das FBI beschuldigte, statt zu versuchen, einen Terroranschlag zu verhindern, »lediglich Informationen zu sammeln, damit sie wüßten, wer zu verhaften ist, wenn ein Terroranschlag stattgefunden hat.«40 Im Mai 2002 kündigte Wright an, er würde das FBI verklagen, weil es ihm die Genehmigung verweigerte, ein Buch zu veröffentlichen, das er über die Affäre geschrieben hatte. Seine Beschreibung der Handlungen seiner Vorgesetzten bei der Beschneidung seiner Untersuchungen enthielt Worte wie »verhindert«, »durchkreuzt«, »behindert«, »bedroht«, »eingeschüchtert« und »Vergeltungsmaßnahmen«.41 In einem späteren Interview berichtete er, daß ihm gesagt wurde, sein Fall würde geschlossen, weil es »besser ist, keine schlafenden Hunde zu wecken« und fuhr fort: »Diese Hunde waren nicht am Schlafen, sie waren am Trainieren, sie machten sich bereit. ... Der 11. September ist eine direkte Folge der Unfähigkeit der FBI-Einheit für internationalen Terrorismus.« Der Chicagoer Bundesstaatsanwalt Mark Flessner, der ebenfalls an dem Fall gearbeitet hatte, dachte offenbar, etwas anderes als Inkompetenz sei daran beteiligt und sagte, es »waren Mächte im Justizministerium und im FBI, die größer waren als ich, die dies [daß der Strafsache nachgegangen wird] einfach nicht zulassen wollten.«42

Behinderung des FBI in New York

Am 28. August 2001 versuchte das FBI-Büro in New York, das glaubte, Khalid Almihdhar – der später als einer der Entführer benannt werden sollte – sei an dem Bombenanschlag auf die USS Cole beteiligt gewesen, das FBI-Hauptquartier zu überzeugen, eine Strafuntersuchung zu eröffnen. Doch der New Yorker Antrag wurde mit der Begründung abgelehnt, Almihdhar könne nicht mit der Cole-Untersuchung in Verbindung gebracht werden, ohne sensible Geheimdienstinformationen einzubeziehen. Ein New Yorker Agent äußerte seine Enttäuschung in einer E-Mail folgendermaßen: »Was auch immer damit passiert ist – eines Tages wird jemand sterben – und ... die Öffentlichkeit wird nicht verstehen, warum wir nicht effektiver waren. ... Hoffen wir, die Einheit für nationales Sicherheitsrecht [des FBI] wird dann hinter ihren Entscheidungen stehen, zumal die größte aktuelle Bedrohung für uns, UBL [Usama bin Laden] den größten ›Schutz‹ genießt.«43

Gerechtigkeit für eine Spionin

Sibel Edmonds und Can Dickerson wurden beide nach den Anschlägen des 11. September vom FBI als Übersetzer eingestellt. Edmonds informierte bald darauf ihre Vorgesetzten, Dickerson hätte zuvor für eine bestimmte ausländische Organisation gearbeitet, gegen die das FBI ermittelt, und er würde sensible Informationen über diese Organisation falsch übersetzen oder sogar überhaupt nicht übersetzen. Edmonds informierte ihre Vorgesetzten darüber hinaus, daß Dickerson sie bedroht hätte, weil sie es ablehnte, als Spionin für diese Organisation zu arbeiten. Das FBI, berichtet Edmonds, reagierte aber nicht auf ihre Beschwerden, die sie mehr als einmal erhob. Daher schrieb sie im März, kurz nachdem sie gefeuert wurde, einen Brief an den Generalinspekteur des Justizministeriums. Sie klagte und behauptete, sie sei gefeuert worden, weil sie Fehlverhalten aufgedeckt hatte. Im Oktober bat Justizminister Ashcroft auf Ersuchen von FBI-Direktor Mueller einen Richter, Edmonds' Klage abzulehnen, unter Berufung auf das Vorrecht von Staatsgeheimnissen, »um die Außenpolitik und nationale Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten zu schützen.«44 Kritiker fragen sich selbstverständlich, warum die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten durch Ignorieren einer Behauptung geschützt wird, daß ein Spion für eine ausländische Organisation, gegen die das FBI ermittelt, diese Ermittlungen sabotiert.

Schippers und FBI-Agenten klagen gegen die US-Regierung

Am 13. September 2001 erklärte der Staatsanwalt David Schippers – der Chefermittler für den Justizausschuß des US-Repräsentantenhauses im Jahre 1998 und Chefankläger bei der Amtsenthebung von Präsident Clinton im Jahre 1999 war – öffentlich, er habe versucht, Generalstaatsanwalt Ashcroft sechs Wochen vorher vor geplanten Angriffen in »Lower Manhattan« zu warnen. Diese Warnung basierte auf Informationen, die er von FBI-Agenten erhalten hatte. In dieser und folgenden Erklärungen sagte Schippers, der Termin und die Ziele der Anschläge sowie die Namen und die Finanzierungsquellen der Entführer wären den Agenten Monate im voraus bekannt gewesen. Schippers behauptete weiter, das FBI hätte diese Untersuchungen beschnitten und den Agenten mit Strafverfolgung gedroht, falls sie mit ihren Informationen an die Öffentlichkeit gingen. Zu dieser Zeit, erklärte Schippers weiter, baten ihn die Agenten, seinen Einfluß zu nutzen, um die Regierung zum Handeln zu bewegen, um die Anschläge zu verhindern. Nachdem Schippers mit diesen Bemühungen gescheitert war, stimmte er zu, einige der Agenten in einer Klage gegen die Bundesregierung zu vertreten, während der sie, falls sie vorgeladen würden, ihre Geschichte ohne Angst vor Strafverfolgung berichten könnten.45

Aufgrund dieser Klage ist Schippers – wie die gemeinnützige Anwaltsvereinigung Judicial Watch, die mit ihm bei diesem Fall zusammenarbeitete – kein neutraler Zeuge. Doch Schippers' Vorwürfe wurden, wie Ahmed betont, in einem Bericht von William Norman Grigg im konservativen Magazin The New American bestätigt. Grigg interviewte drei FBI-Agenten, die bestätigen, »daß die an Schippers weitergeleiteten Informationen vor dem 11. September innerhalb des Büros [i.e. FBI] weithin bekannt waren.« Einer von ihnen sagte laut Berichten, einige der FBI-Agenten aus diesem Bericht – die zu den »erfahrensten Jungs« gehörten – »sagten fast exakt voraus, was am 11. September passierte.« Er sagte auch, es wäre »im ganzen Büro [i.e. FBI]« allgemein bekannt, »wie diese [Warnungen] von Washington ignoriert wurden.«46

Diese Berichte machen es noch rätselhafter, wie die Joint Inquiry, wie bereits im 5. Kapitel erwähnt, feststellen konnte, daß keine der den Geheimdiensten zur Verfügung stehenden Informationen »die Zeit, den Ort und die spezifische Art der Anschläge identifizierten, die für den 11. September 2001 geplant waren.« Anscheinend hatte zumindest ein US-Geheimdienst sehr spezifisches Vorwissen.

Visa- und Watch-List-Verstöße

Unmittelbar nach dem 11. September wurde eine Reihe von Unregelmäßigkeiten hinsichtlich der angeblichen Entführer bekannt. Man erfuhr zum Beispiel, daß Mohamed Atta, der als Anführer angesehen wird, im Jahre 2001 dreimal in die Vereinigten Staaten wiedereinreisen durfte, obwohl er im Jahre 2000 sein Visum hatte auslaufen lassen, die Visumsauflagen verletzte, indem er Flugstunden nahm, bekannte Kontakte zu Terroristen hatte und unter FBI-Überwachung stand. Es wurde außerdem berichtet, daß offenbar mehr als 50 Personen an der Planung des 11. September beteiligt waren. Diese Tatsachen führten zu der folgenden kritischen Analyse durch Accuracy in Media (AIM):

Trotzdem gingen die Verschwörer unbehelligt vor. Was auffallend ist, ist, wie sicher sich diese Leute offenbar fühlten, wie unbedroht durch die Strafverfolgungsbehörden. ... Sie reisten ungehindert aus dem Land und [wieder] ein. Einige waren Berichten zufolge auf der sogenannten »Watch List«. ... Doch dies verursachte ihnen anscheinend keine Probleme.47

Die Kritiker vermuten selbstverständlich, daß etwas anderes als Inkompetenz der Grund für dieses Muster sein könnte.

Die Frage nach der wahren Identität der Entführer

Obwohl dieses Thema streng genommen nicht in dieses Kapitel gehört, möchte ich erklären, warum ich den Ausdruck »Entführer« mit dem Adjektiv »angeblich« qualifiziere. Eine der unbeantworteten Fragen zum 11. September ist, ob die Entführungen tatsächlich von den später benannten Männern durchgeführt wurden. Kurz nach den Anschlägen erschienen Berichte in Zeitungen, die darauf hindeuten, daß mindestens fünf der vom FBI als Attentäter identifizierten Männer noch am Leben waren, wobei diese Berichte durch Meldungen über »gestohlene Identitäten« gestützt wurden.48 Die saudische Botschaft in Washington meldete, so berichtete Meyssan, daß Abdulaziz al-Omari (angeblich der Pilot von Flug 11, der in den Nordturm des WTC stürzte), Mohand al-Shehri, Salem al-Hazmi und Saeed al-Ghamdi alle am Leben wären und in Saudi-Arabien wohnten. Meyssan sagte ebenfalls, daß ein fünfter angeblicher Entführer, Waleed M. al-Shehri »der arabischsprachigen Tageszeitung al-Quds al-Arabi mit Sitz in London ein Interview gab.«49 Laut einem Bericht »untersuchten Ermittler [sogar] die Möglichkeit, daß das gesamte Selbstmordkommando aus Hochstaplern bestand.«50 FBI-Direktor Mueller behauptete jedoch später: »Wir kennen zu diesem Zeitpunkt eindeutig die 19 Entführer, die verantwortlich waren.«51 »Doch viele der Namen und Fotos sind bekanntermaßen falsch«, so Thompson. »Vielleicht kämen peinliche Fakten heraus, wenn wir ihre richtigen Namen wüßten.«52

Ein weiterer Bericht, der in Bezug auf die offizielle Geschichte, laut der die Entführer »fundamentalistische« Muslime waren, Verdacht erregt, besagt, daß zwischen Mai und August 2001 mehrere der angeblichen Entführer, darunter Mohammed Atta, Berichten zufolge mindestens sechs Reisen nach Las Vegas unternahmen, bei denen sie Alkohol tranken, um Geld spielten und Strip-Clubs besuchten, wo sie ausgesprochen engen Striptease über dem Schoß für sich tanzen ließen.53 Ist dies etwas, was wahre Gläubige tun würden, kurz bevor sie eine Selbstmord-Mission durchführen, um ihrem Schöpfer gegenüberzutreten?

Es gibt auch Gründe für die Vermutung, daß Beweise platziert wurden, um einige der angeblichen Flugzeugentführer mit den Flügen in Verbindung zu bringen. Beispielsweise fanden Behörden am 11. September zwei von Attas Koffern, die nicht auf Flug 11 geladen wurden. Diese Koffer enthielten verschiedene Gegenstände, darunter Handbücher für Boeing-Flugsimulatoren, einen Koran, eine religiöse Kassette, eine Mitteilung an die anderen Entführer über mentale Vorbereitung sowie Attas Testament, Reisepaß und internationalen Führerschein. Ein Reporter des New Yorker schrieb später:

Viele der Ermittler glauben, daß einige der ursprünglich gefundenen Anhaltspunkte zu den Identitäten und Vorbereitungen der Terroristen, wie z. B. Flughandbücher, dazu bestimmt waren, gefunden zu werden. Ein ehemaliger hochrangiger Geheimdienstmitarbeiter sagte mir: »Welche Spur auch immer hinterlassen wurde, wurde absichtlich hinterlassen – damit das FBI ihr nachgehen konnte.«

Thompson fragt: Warum sollte Atta geplant haben, sein Testament »mit in ein Flugzeug zu nehmen, von dem er wußte, daß es zerstört werden würde?«54 Ebenso verdächtig war die Entdeckung des Reisepasses des angeblichen Entführers Satam al-Suqami ein paar Blocks vom WTC entfernt am Tag nach dem 11. September.55 Eine Zeitung – die über die Tatsache nachdachte, daß allgemein, aber irrtümlich berichtet wurde, der Reisepaß gehörte Atta – sagte, »die Vorstellung, daß Attas Paß dem Inferno unbeschädigt entkam, [überanstrengt die] Leichtgläubigkeit.«56

Diese Berichte lassen vermuten, daß die Wahrheit über das, was am 11. September passierte, vielleicht sogar weiter von der offiziellen Darstellung entfernt ist als die Beweise nahelegen, die ich in vorigen Kapiteln zitiert habe. Meyssan schlägt zum Beispiel vor, »das FBI habe eine Liste von Entführern erfunden, von denen es ein Phantombild der Feinde des Westens zeichnete.«57 Ich werde diese Frage allerdings hier nicht weiter verfolgen.

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Dieses Kapitel liefert offensichtlich zusätzliche Beweise gegen jede Position, die schwächer als die dritte mögliche Ansicht ist, weil dieses Kapitel darauf hinweist, daß mindestens eine US-Behörde – das FBI – spezifisches Vorwissen des Anschlags hatte und bewußt Schritte unternahm, um die Aufdeckung dieses Anschlags zu verhindern.

Der ehemalige FBI-Special Agent Tyrone Powers wird von Ahmed wie folgt zitiert: Innerhalb der Geheimdienste sind »gelegentlich [schädliche] Handlungen erlaubt, wenn sie in den Köpfen der Entscheidungsträger zu einem »übergeordneten Wohl« beitragen. Ein FBI-Agent sagte im Interview mit Grigg für The New American: »Da muß noch mehr dran sein, als wir sehen können. ... Offensichtlich mußten Leute davon gewußt haben. ... Es ist schrecklich, darüber nachzudenken, aber dies muß als Teil irgendeiner anderen Agenda erlaubt worden sein.«58 Die Kritiker der offiziellen Version haben einige Vorschläge, was diese Agenda gewesen sein könnte.
© David Ray Griffin
Oliver Bommer (deutsche Übersetzung)